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Gesellschaft Kultur Wiesbaden

sam braucht ein neues Domizil

Das Wiesbadener Stadtmuseum, kurz „sam“ , muss sich mit einem zu kleinen Kellergewölbe als Ausstellungsfläche begnügen. Nun gibt es nach zehn Jahren Chancen auf eine geeignete Immobilie in der Stadtmitte. Doch es gibt auch andere Bewerber.

von Anja Baumgart-Pietsch

Die meisten Großstädte Deutschlands haben ein Stadtmuseum. Die Geschichte der Stadt, in der man lebt, ist wichtig. Sie dient der Identifikation, dem Zusammengehörigkeitsgefühl. Museen zeigen helle und dunkle Seiten, Fakten und Legenden. Und sind längst nicht mehr verstaubte Vitrinenkultur, sondern präsentieren lebendig, interaktiv und mit viel Programm rund um die Exponate Geschichten und Informationen. Auch Wiesbaden hat ein Stadtmuseum. „Einfach mal runterkommen“, lädt Direktorin Sabine Philipp mit ihrem Team ein. Runterkommen, das ist hier wörtlich zu verstehen. Das Museum ist im ehemaligen Marktkeller angesiedelt. Das ist ein Ort mit Geschichte, durchaus gemütlich – aber einfach zu klein.

Seit 2016 befindet sich das Stadtmuseum „sam“ am Markt, hier im Untergeschoss Wiesbadens. Es gibt eine Dauerausstellung und wechselnde Sonderausstellungen. Nur der Platz reicht nicht aus – und die Bedingungen sind ebenfalls nicht optimal. Zehn Jahre lang ist man schon hier, eigentlich sollte es ein Interimsstandort sein. Bislang hat der Absprung nicht geklappt. Jetzt könnte es eine Chance geben: Ein ehemaliges Kaufhaus, früher Kaufhalle, Woolworth und zuletzt Sport-Scheck in der Fußgängerzone könnte neuer Standort werden. Doch bevor das klar ist, gibt es noch einige Hürden zu nehmen. Philipp würde sich sehr wünschen, dass sich die Stadt für das Stadtmuseum als zukünftigen Nutzer des leerstehenden Gebäudes entscheidet. „Es wäre eine Win-Win-Situation“, sagt die Direktorin, die leidenschaftlich für ihre Arbeit brennt. Aufenthaltsqualität für die Innenstadt, die oft beschworen wird, könnte man damit bieten, mit Museumscafé oder gar einer Rooftop-Bar in Spitzenlage mit toller Aussicht und man hätte endlich Platz für eine adäquate Präsentation der Stadtgeschichte von den Römern bis zur Jetztzeit.

Denn Museen sind nicht nur dazu da, in die Vergangenheit zu blicken, sondern es sind Orte der Bildung, der Demokratie und als solche absolut in der Gegenwart beheimatet. Was geht, zeigt sich bereits jetzt in dem Gebäude, das im Rahmen des World Design Capitals aktuell für sechs Monate vom Stadtmuseum bespielt wird. Mit zahlreichen Partnern, denn das sam ist hervorragend in Wiesbaden vernetzt, hat man im nächsten halben Jahr ein abwechslungsreiches, partizipatives Programm erarbeitet. Die Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden, die Architektin Sandra Düsterhus sowie Prof. Jörg Waldschütz mit Studierenden des Studiengangs Kommunikationsdesign der Hochschule RheinMain haben den Werkraum konzipiert.  Im Mittelpunkt stehen Zukunftsfragen, die Wiesbaden bewegen: Wohnen im Wandel, Mobilität, Klimaschutz, Gesundheit und Ernährung, Inklusion, soziale Teilhabe und Demokratieförderung. Das Programm wird fortlaufend entwickelt und über die Laufzeit hinweg aktualisiert. Das, so hofft Philipp, zeige das Potenzial dieses Hauses.

Aber natürlich wird auch im Marktkeller gemacht, was geht. Die Vitrinen, die wie spitze Eisberge geformt sind, präsentieren wichtige Objekte aus Wiesbadens Historie, von der Römerzeit über die heißen Quellen und das Herzogtum Nassau mit seinen Protagonist:innen bis zu Kultkneipen, Spielbank, Innenstadt-Verkehrsführung und anderen Dingen, an die man sich vielleicht noch selbst erinnert. Besuchende können interaktiv an die Stationen herangehen, Inklusion wird mit Führungselementen für Sehbehinderte und Hörstationen – erarbeitet von Wiesbadener Schulen – gelebt. Natürlich führen in den Keller nicht nur Treppen, sondern auch ein Aufzug: Das sam ist für alle offen. Doch der größte Anteil der Schätze aus der legendären Sammlung Nassauischer Altertümer lagert im Depot, weil der Platz nur für einen kleinen Teil reicht. Auch die Fläche für Sonderausstellungen ist klein, aber die Themenpalette groß: Vom Westerwälder Steinzeug über eine aktuelle Fotoausstellung zum Thema „Europa“ bis zu Designobjekten, zum Beispiel von Braun-Designer Dieter Rams, gibt es immer Spannendes zu sehen. Und am Puls der Zeit will Philipp sowieso immer bleiben: Zum Beispiel mit der Podiumsdiskussion „Museum & Innenstadt – was geht?“ am 10. Juni. Natürlich im Werkraum. Und auch online zugänglich. Infos: sam

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