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Schreiben muss nicht einsam sein

Gemeinsam schreiben, statt allein prokrastinieren: Beim Mainzer Schreibtreff im K-Lab kommen Menschen zusammen, um an Romanen, Gedichten oder Tagebüchern zu arbeiten. STUZ-Autorin Paula war dabei und berichtet von ihren Eindrücken.

von Paula Herrmann

Um kurz vor halb sieben komme ich am K-Lab, mitten in der Mainzer Neustadt, an. Vor der Tür warten bereits einige Teilnehmende. Schnell kommen wir ins Gespräch und es wird klar: Viele sind heute zum ersten Mal dabei. Was uns verbindet? Die Liebe zum Schreiben und der Wunsch, sich im Alltag häufiger Zeit dafür zu nehmen. Kurz darauf öffnet uns die Leiterin Denise Lehmann die Tür. Große Fenster und weiße Wände lassen den Raum offen wirken, in dem heute leere Seiten gefüllt werden sollen. Drei große Tische stehen im Raum und einige weiße Stühle, die unlängst mit schwarzer Schrift bemalt wurden. „Nazifreie Zone“ steht auf einem, andere sind mit verschnörkelten Blumen verziert. Im Hintergrund läuft aus einer Box leise Fantasy-Musik in einer angenehmen Lautstärke. Manche Teilnehmende tragen Kopfhörer und hören ihre eigene Musik. Insgesamt nehmen heute zehn Personen teil. Nach einer kurzen Begrüßung stellen alle, die es möchten, ihre Projekte kurz vor. Der Ablauf ist klar strukturiert. Es gibt 3 Schreibphasen, die jeweils 30 Minuten lang sind, dazwischen folgen kurze Pausen. Gegen 20.30 Uhr endet die Schreibzeit. Wer möchte, kann anschließend noch bis 21.30 Uhr für den offenen Austausch bleiben.

Kreativität in konzentrierter Atmosphäre
Neben Schreibimpulsen stehen auch Tee und Ladegeräte zur Verfügung. Gekühlte Softgetränke gibt es gegen eine kleine Spende. Pünktlich startet die erste Schreibphase. Im Raum ist es ruhig, zu hören ist neben der Musik fast nur das Tippen der Tastaturen. Die Atmosphäre wirkt entspannt und zugleich konzentriert – ideale Bedingungen, um selbst kreativ zu werden. In den Pausen tauschen wir uns gegenseitig über unsere Projekte aus. Einige arbeiten an Romanen, andere schreiben Gedichte oder Tagebuch-Einträge. Manche kommen auch ohne festes Projekt und lassen sich hier inspirieren. Ich selbst habe an diesem Abend kein festes Schreibprojekt dabei. Zuerst mache ich Stichpunkte zu meinen ersten Eindrücken vom Schreibtreff. Später bin ich inspiriert und schreibe an einzelnen Gedichten.

Studentin Hanna Windau ist heute zum zweiten Mal dabei. Sie arbeitet an einem Roman über Hexen der modernen Zeit. Sie erklärt, warum ihr das Schreiben in der Gruppe leichter fällt: „So selbst nach der Uni hat man teilweise doch nicht so richtig Lust, nochmal den Laptop aufzumachen und guckt sich dann vielleicht lieber eine Serie an. Hier ist es aber so, dass man wirklich diese Konzentration hat und sich aktiv dazu entscheidet, jetzt mal eineinhalb Stunden zu schreiben und auch die Möglichkeit hat, sich danach auszutauschen. Das find ich sehr cool an diesem Konzept.“
Ort für gemeinsames Schreiben

Beim gemeinsamen Austausch am Ende des Abends stellen die Teilnehmenden offene Fragen, lesen Passagen aus ihren aktuellen Projekten vor und bekommen auf Wunsch Feedback von den anderen Anwesenden. Auch für neue Ideen und Wünsche ist der Schreibtreff jederzeit offen. Für Gründerin Denise Lehmann ist vor allem die Gemeinschaft entscheidend: „Mir geht es darum, einen Ort zu bieten, an dem man Gemeinschaft im Schreiben findet. Das hilft, die Motivation hochzuhalten und sorgt für Austausch. Schreiben muss nicht einsam sein.“ Sie selbst war lange Zeit auf der Suche nach einer offenen Schreibgruppe in Mainz und sehr überrascht, hier keine zu finden. Deshalb gründet sie im November 2024 ihren eigenen Schreibtreff. Zu Beginn trifft sich die Gruppe in der Mainzer Altstadt im „kunSTück“, bis sie Anfang 2026 ins K-Lab umzieht. Schreibbegeisterte ab 16 Jahren sind herzlich willkommen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Denise Lehmann betont: „Man braucht keinerlei Schreiberfahrung, um beim Schreibtreff mitzumachen. Interesse genügt. Viele kommen mit einem laufenden Projekt, einige mit einer Idee, die sie ausprobieren wollen. Es gibt aber auch immer die Möglichkeit, sich mit einem Impuls auf die Sprünge helfen zu lassen.“ Jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat findet der Schreibtreff statt. Die kommenden Termine sind am 3. und 17. Juni. Nach drei Schreibphasen, vielen Gesprächen und neuen Eindrücken wird klar: Manchmal reicht schon ein gemeinsamer Raum, um die leere Seite zu füllen.

WTF
Schreibtreff Mainz – Jeden ersten- und dritten Mittwoch im Monat, 18.30–21.30 Uhr

K-Lab
Karoline-Stern-Platz 11, 55118 Mainz
schreibtreff-mainz.de

Bild: Auguste Edouart, CC0, via Wikimedia Commons

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