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Bass auf Kassette

Wer in den vergangenen Jahren in Wiesbaden oder in Mainz nach Drum & Bass gesucht hat, kam an ihnen kaum vorbei: Die Crew hinter „Der gebrochene Freitag“ organisiert regelmäßig Partys zwischen Underground-Clubkultur und Community-Gefühl. Zu dem Trio hinter der Partyreihe gehören Christian, (DJ Flatline), Nicolas, Nico, Dorwig und Carsten (DJ Tigger). Im Gespräch erzählen Christian und Nico warum ausgerechnet eine Pandemie den Startschuss gegeben hat, warum Diversity mehr als ein Buzzword ist und was Kassetten mit der Eventreihe zu tun haben.

Interview Caroline Alberta Glabacs

STUZ: Wie ist der gebrochene Freitag entstanden?
Nico: Die Idee entstand aus der Beobachtung, dass es in der Gegend kaum Drum & Bass-Veranstaltungen gab. Man kann sich darüber beschweren oder selbst etwas auf die Beine stellen. Ich habe Carsten Lukas kontaktiert, der früher schon Veranstaltungen organisiert hatte. Gemeinsam entwickelten wir das Konzept und bekamen 2020 vier Termine in der Kreativfabrik. Dann kam Corona und alles fiel ins Wasser.
Christian: Zwei Jahre später konnten wir endlich beim Kreativfabrik-Festival starten. Dort haben wir zum ersten Mal gemeinsam aufgelegt und festgestellt, dass es musikalisch und menschlich passt. Seitdem sind wir als Crew unterwegs.

Und wie kam der Name zustande?
Nico: „Gebrochen“ spielt auf die sogenannten Broken Beats an. Außerdem waren unsere ersten Termine freitags. Heute werden wir oft samstags gebucht, dann veranstalten wir einfach den „gebrochenen Samstag“.

Wie hat sich die Szene nach der Pandemie verändert?
Nico: Enorm. Die Clubkultur hat während der Pandemiezeit sehr gelitten. Viele junge Menschen konnten während Corona gar keine Clubkultur erleben. Gleichzeitig gibt es viele Gäste, die das Feiern wieder entdecken oder die verlorene Zeit nachholen wollen. Unsere Partys bringen diese Gruppen zusammen.
Christian: Inzwischen haben wir auch ein echtes Stammpublikum. Viele kennen sich untereinander, neue Leute kommen ständig dazu. Die lokale Szene ist klein, aber sehr verbunden.

Eure Markenzeichen sind die handüberspielten Kassetten, die man bei euren Partys erhält. Warum ausgerechnet Tapes?
Nico: Sie sind eine kleine Zeitkapsel. Als Gegenstück zur digitalen Musikwelt und obwohl heute kaum noch jemand einen Kassettenspieler besitzt, werden die Tapes bewusst gesammelt. Manche Gäste fragen sogar nach älteren Ausgaben, weil ihnen ein Tape in der Sammlung fehlt. Für uns zeigt sich das Bedürfnis nach etwas Greifbarem. Musik nicht nur streamen, sondern anfassen, mitnehmen und aufbewahren.
Christian: Gleichzeitig schlagen die Kassetten eine Brücke ins Digitale. Jedem Tape liegt ein QR-Code bei, über den man die Mixe auf SoundCloud hören kann. Die Tapes sind auf jeden Fall ein Wiedererkennungsmerkmal der Veranstaltungsreihe geworden, und zu einer kleinen Liebeserklärung an die Musik und die Szene.

Ihr engagiert euch außerdem für Diversität und Nachwuchsförderung. Wie sieht das bei Euch aus?
Nico: Die DJ-Szene ist seit Jahrzehnten extrem männlich geprägt. Das wollten wir nicht einfach reproduzieren. Deshalb achten wir bewusst darauf, auch FLINTA*-Artists zu buchen.
Christian: Für uns ist das keine Pflichtübung, sondern eine Bereicherung. Unterschiedliche Menschen bringen unterschiedliche Perspektiven und Sounds mit. Außerdem fördern wir gezielt Newcomer:innen. Wer auflegen möchte, kann uns jederzeit anschreiben. Bei der Förderung ist es uns auch wichtig, auf faire Bedingungen und Gagen zu achten.
Nico: Wir wissen selbst, wie schwer die ersten Schritte sind. Deshalb wollen wir etwas an die Szene zurückgeben. Irgendwo muss jede Karriere anfangen.

Zum Abschluss gibt es noch eine Runde vervollständige den Satz: Für mich ist D&B …
Nico: … eines der kreativsten und innovativsten elektronischen Musikgenres.
Christian: Das kann ich unterschreiben.

Das nervigste Klischee ist …
Nico: dass Drum & Bass tot sei. Dabei erlebt es, wie ich finde, gerade in den letzten Jahren bei uns im Rhein-Main-Gebiet auf jeden Fall wieder ein Hoch. Das sieht man an vielen verschiedenen Veranstaltungen und aktiven Crews.

Die Szene braucht mehr …
Nico: FLINTA*-DJs und Veranstaltungsflächen.

Mich überrascht …
Christian: … die Altersspanne. Von gerade erst volljährig bis zu einem Gast, den ich Richtung 60 schätze und der fast ausnahmslos auf jedem unserer Events war.

Und wann steigt die nächste Party?
Nico: Die ist am 1. August im Beben in Mainz. Das wird eine Spezialparty, weil das Beben eigentlich Sommerpause hat. Da wird es ein gebrochener Samstag-Spezial auf zwei Floors geben.
Christian: Auf dem Mainfloor läuft die ganze Nacht D&B, wie sonst auch. Und dann gibt es noch einen zweiten Floor, wo wir andere Bass-Music-Genres spielen werden. Da kommen auch Dubstep- und Breakbeats-Fans auf ihre Kosten. Wir freuen uns schon sehr.

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