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Musik tönt aus dem Lichtspielhaus

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Anfang der 70er schloss das Kino in Ginsheim und geriet in Vergessenheit. Mehr als 50 Jahre später taucht es unerwartet wieder auf. Glücklicherweise unter der Regie eines Liebhabers.

Manchmal kommt alles anders, als man denkt. So könnte man das erzählen, was Manfred Treber, samt seiner Familie widerfahren ist. Denn, als die 2016 das Nachbargrundstück neben Manfreds Elternhaus kaufte, ahnten sie nicht, dass sie damit die Besitzer einer ehemaligen Kultstätte und zukünftigen Kulturstätte geworden sind.
Treber wollte ursprünglich mehr Platz für sein Hobby. Er restauriert leidenschaftlich gerne Dampfmaschinen, schraubt daran und bringt sie wieder zum schnauben. Dafür braucht es einiges an Platz und was ist praktischer als zuzuschlagen, wenn es sich direkt nebenan eine große Räumlichkeit befindet, die sich als Werkstatt eignet. Dass sich darin noch ein alter Kinosaal versteckte war im zunächst nicht mehr bewusst.
Das alte Ginsheimer Kino in der Frankfurter Straße, das 1934 unter Hans Dauborn als Lichtspielhaus Ginsheim seine Eröffnung feierte ,schloss Anfang der 70er Jahre und wurde seitdem als Lagerraum diverser Firmen genutzt.
Nach dem Kauf des Grundstücks beginnt Treber mit seiner Familie die große Halle auszumisten. Nach und nach wird Pressspanverkleidung entsorgt und damit immer klarer: „Dieser Raum ist ein echter Schatz.“ Zwar ist das Dach teilweise undicht und da es keine funktionierende Heizung gibt, ist es etwas kühl, doch für einen handwerklich ambitionierten Mann wie Treber stellt das kein Problem dar.
Die alten Bühnenvorhänge und Wandgardinen wirken wie eine Filmkulisse aus alten Kultfilmen mit Peter Alexander oder Heinz Erhardt. „Bei so einem Original-Retrolook würde mancher Berliner Szenegastronom dahin schmelzen“, ist sich der Kulturschaffende qua Schicksal sicher.
Magnus, der Jüngste der Familie, berichtet: „Mein erster Gedanke war: Mensch, ist das eine Bruchbude.“ Mutter Evelyn hatte sofort den passenden Gedanken und meinte: „Wir eröffnen das Lichtspielhaus wieder und bringen Kultur nach Ginsheim. Gustavsburg hat schon seit Jahren die Burglichtspiele und auch die Ginsheimer verdienen ein eigenes Lichtspielhaus.“
Die alten hölzernen Kinoklappstühle sind noch gut erhalten und spiegeln das Kinoerlebnis der damaligen Zeit. Mittlerweile steht der original Flügel des Ginsheimer Liedermachers Georg Dauborn in den Räumlichkeiten. Neu gestimmt und bereit, seinen Geist auf Musiker zu übertragen, zeigt er an, dass es sich hauptsächlich in Richtung Bühnenprogramm entwickeln soll.
Dank Manfred Treber und seinen Söhnen Pascal und Magnus lässt sich der Vorhang jetzt wieder elektrisch steuern. Alte Filmprojektoren geben dem Raum den Spirit der schwingenden 60er Jahre und wurden von Trebers extra für das Lichtspielhaus Ginsheim aus dem Museum geholt. Auch wenn Kultur schaffen etwas aus der Zeit gefallen ist: Die Trebers haben sich da was vorgenommen und ziehen das voller Elan durch.
Für das Jahr ist ein abwechslungsreiches Programm geplant. Der kleine, charmante Familienbetrieb freut sich auf Veranstaltungen mit Kabarett, Comedy, Theater und Musik und lädt schon heute dazu ein, sich Karten zu sichern.
www.lichtspielhaus-ginsheim.de

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