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Ich bin im Garten, Schatz!

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Vom Konsumenten zum Selbsterzeuger und damit die Hoheit über unsere Nahrungsmittel zurückgewinnen. Nach dem letzten Frost fangen auch die Wiesbadener Stadt- und Gemeinschaftsgärten an zu blühen und laden zum Gärtnern ein.

Oft scheint der alltägliche Wahnsinn in der Stadt unvereinbar mit besinnlicher Arbeit im Garten in der Natur. Doch wer genauer hinschaut findet grüne Obstbaum-Oasen und Gemeinschaftsbeete im Wiesbadener Stadtkern und drumherum. Was den Projekten jedoch oft fehlt, ist Aufmerksamkeit, mehr öffentliche Unterstützung und Bestätigung der Mitbürger. Deswegen ordnen wir in dieser STUZ-Ausgabe mal das was da ist. Alle Wiesbadener, die an essbare Städte glauben, an faire Landwirtschaft ohne zahlreiche Zwischenhändler, die die Preise drücken, oder aber ein Zeichen gegen Monsanto und patentiertes Saatgut setzen möchten, finden hier Anregungen. Jetzt heißt es also nur noch den letzten Frost abwarten und dann nix wie raus. Im März raffen sich die ersten „Stadtgärtner“ wieder auf und diskutieren die aktuelle Lage, das Jahresprogramm, Ernte und co. Wer von Anfang an dabei sein will, bekommt hier eine Übersicht. Und wenn der Groschen in der Gesellschaft erst mal gefallen ist, dann verstehen eines Tages vielleicht auch die politisch Verantwortlichen, dass Nutzpflanzen und Bürgerengagement auf öffentlichen Grünflächen eine Win-Win-Situation für alle sind.

Die pädagogischen Gärten
Wellritzhof: Mitten im dicht besiedelten Westend hat sich vor sechs Jahren der Medienpädagoge Ottmar Schick dafür stark gemacht, hier aus dem architektonisch durchgestylten Hinterhofgarten einen Nutzgarten zu machen. Mit professioneller Beratung wurden rund um die Mauer Blumenkästen und Beete gelegt, am sonnigsten Fleckchen ein Feigenbaum gepflanzt und eine Kräuterspirale aufgebaut. Man staunt schon nicht schlecht bei alldem was hier sonst noch wächst: Neben zahlreichem Gemüse auch Apfel-, Birnen- Pfirsich-, Pflaumenbäume und sogar ein Mandelbaum. Oben auf dem Dach: Bienenkörbe. Ab April fängt dann wieder der wöchentliche Gartentag an, Kinder zwischen 6 und 12 Jahren helfen mit bei Aussaat und Ernte. Anmeldung ist nicht erforderlich.
Garten der Kinder: Hände in die Erde und Kopf in den Himmel in wunderschönster Umgebung. Wo könnten Schulkinder ziwchen 7 und 12 Jahren ihre Osterferien schöner verbringen als im Schloß Freudenberg. Ingesamt bietet das Schloß übers Jahr verteilt drei Gartenworkshops an. „Hacken, Harken, Schnitzmesser, Feuersteine, Wetzsteine, Bohnenkerne und Karottensamen, Wald und Feld, Regen und Sonnenschein, Lagerfeuer …“ – wenn das mal nicht idyllisch klingt. Anmeldung unter: erfahrungsfeld@schlossfreudenberg.de, Kostenbeteiligung: 150 Euro / Geschwisterkind: 120 Euro / inkl. Mittagessen, Getränke)
Biberbau: Hier ist vor allem Eigeninitiative gefragt. Das sonnige Fleckchen mit Gartenbank lädt an schönen Tagen auch so zum verweilen ein. Einige Blumenkästen sowie ein Kräuterbeet sind schon vorhanden, Werkzeug und Saatgut von Pflanzen Kölle gibt es auch. Wahrscheinlich werden sich die Kinder auf dem weiten Gelände früher oder später anderweitig vergnügen, aber das macht ja nichts. Dann steht man wenigstens nicht dumm am Sandkasten rum.
Heupferd Erlebnisgarten: Der Gärtner Johannes Löhde, Organisator des jährlichen Umweltfestivals und Gründer von GrünKlusion ist engagierter Gemüsegärtner in Wiesbaden. Unter anderem hat er den den städtischen Bauerngarten der Fasanerie und den Jugendnaturzeltplatz des Stadtjugendrings mitgestaltet. Ehrenamtlich betreibt er mit den anderen Vereinsmitgliedern den Erlebnisgarten Heupferd im Aukammtal. Im Vordergrund steht hier das naturpädagogische Angebot für Kinder. Schulklassen und Kindergärten haben hier Platz zum Rumtoben und können unter Aufsicht eines ehrenamtlichen Mitglieds Bogen schießen, schnitzen, kokeln, das Insektenhotel besuchen oder der Imkerin bei der Arbeit zuschauen. Der Erlebnisgarten ist auch für Kindergeburtstage buchbar. Wer ehrenamtlich mitmachen will und neue spannende Ideen mit naturpädagogischem Mehrwert hat, setzt sich einfach mit dem Verein in Verbindung. Bei Interesse: info@heupferd-erlebnisgarten.de
Bauerngarten Fasanerie: Der städtische Gemüsegarten in der Fasanerie ist nur für geschlossene Gruppen buchbar, und an den offenen Schnuppertagen unter Betreuung eines Gärtners. Wer mit einer Schul- Kindergarten- oder auch Erwachsenengruppe gärtnerisch tätig werden will, meldet sich unter. wiesbaden.de/fasanerie.
Am 6. Mai zum Tag der Pflanzen ist der Garten für alle offen. Zwei Gärtner (unter anderem Johannes Löhde) stehen Rede und Antwort und betreuen verschiedenste Mitmachaktionen.

Do it Yourself-Gärten
Tatengarten: In Klarenthal werden in den Gemeinschaftsbeeten Gemüse, Kräuter und Obst ökologisch angebaut. Die Beteiligung ist unverbindlich, die Ernte wird so abgesprochen, dass jeder ein bisschen was abbekommt.
Das Mehrgenerationenprojekt von beteiligten zwischen 5 und 85 Jahren ist einfach mit der Buslinie 33 zu erreichen. Der nächste Aktionstag für Interessierte ist So. der 18. März, ab 14 Uhr. Es folgen Sa. der 28. April Und So., 10. Juni
Bürgergarten: Hier im ökologischen Bürgergarten in Atzelberg wird mit langfristiger Vision gearbeitet: Als Gewinner des DM Ideenwettbewerbs 2010 verteht sich das Projekt als Keimzelle für grünere und essbarere Städte: „Die Mitglieder der aktuellen Projektgruppe sind mit Fachkompetenz und einem ergänzenden Netzwerk sehr gut aufgestellt um das Projekt in die Welt zu bringen“ und zu ähnlichen Projekten zu inspirieren. Das nächste Treffen zur internen Abstimmung findet am 3. März statt. Bei Interesse bei artemis@winkenbach.net melden. Zwei Tage zuvoe, am 1. März, gibt es einen zweistündigen Wildkräuterspaziergang mit Dorisa Winkenbach durch den Bürgergarten. Kosten: 18 Euro.
Scholzenhof: Im Rahmen der Geschäftsidee „meine Ernte“ werden hier kleine Landparzellen als Gemüsegärten verpachtet. Unter anderem ein Weg für Ökobauern, verlässliche Abnehmer zu finden. Die nachwachsende „Gemüsekiste“ ist in zwei Größen buchbar: 45 qm Gemüsegarten für 229 Euro oder 90 qm für 439 Euro pro Saison. Der Scholzenhof bereitet das Beet vor, stellt Werkzeuge zur Verfügung. Jeden Donnerstag ab 15 Uhr ist im Breckenheimer Weg 22 ein Marktstand mit frischem Obst und Gemüse aufgebaut.
Interkultureller Gemeinschaftsgarten in Kastel: Hier wird unter Nachbarn des Wohnblocks gemeinsam ökologisch Gemüse angebaut. Das nächste IKG Gartentreffen: 8. März von 18 bis 19 Uhr statt. Mehr Infos unter:
biqkk.wordpress.com
Saatguttauschboxen: Die erste Wiesbadener Saatgut-Tauschbox für saatfestes Saatgut (hybridfrei) wird ab März im Umweltladen aufgestellt. Saatguttauschboxen sind ein Zeichen gegen die kapitalistische Verpatentierung von Saatgut. Saatgut ist wie Wasser eine Lebensgrundlage und sollte gerechterweise daher auch weiterhin kostenlos erhältlich sein. Überall auf der Welt.

Anderweitiges Engagement:
Bio Solawi & Food Coop: Um Nachfolger eines Bio-Landhofes zu werden, hat sich in Rüsselhseim nach Mainzer Vorbild eine Bio-Solawi (Solidarische Landwirtschaft) zusammengetan. Die eigens dafür angestellte Gärtnerin Anna bestellt hier vorerst einen Hektar Land. Im Schnitt zahlt man am Ende etwa soviel wie eine wöchentliche Bioland Demeter Kiste. Vorteil: Faire Löhne, kein Abnehmerdruck und nachhaltig landwirtschaften nach eigenem Gusto. Dito: Streuobstwiesen, Blühstreifen und Fruchtfolge. Mehr Info: aufdemacker.de
Aus ähnlichen Gründen hat sich 2017 außerdem die Food Coop Stadtgemüse zusammengetan. Sobald sich ein Laden findet, werden Arbeitsgruppen gebildet, um mit regionalen Höfen Ernteabnahmen festzulegen und diesen dadurch langfristig zu mehr Verhandlungsmacht zu verhelfen. Kontakt: info@stadtgemüse-wiesbaden.de

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