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Pflanzliche Tierhaut

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Draußen ist es nass und kalt und die Sneakers und Sandalen wurden schon längst gegen winterliche Lederstiefel ersetzt. Doch warm ums Herz wird es einem in Anbetracht der Lederproduktion nicht.

Von Shayan Julien Mirmoayedi

Leder ist zäh und widerstandsfähig, genauso wie sein Image vom hochwertigen Naturprodukt. Die Lederherstellung umfasst aber viele Vorgänge, wie das Beizen und Gerben, die die verderbliche Tierhaut zu dem uns bekannten Leder machen. Das ist ein Problem, denn die großen Ledermassen dieser Welt werden nämlich nicht innerhalb Europas unter Einhaltung von EU-Richtlinien, sondern in Ländern wie China und Bangladesch hergestellt. Menschenrechtsorganisationen wie die „Human Rights Watch“ berichten von Kinderarbeit, direktem Kontakt zu den Chemikalien während des Gerbvorgangs und daraus resultierenden Erkrankungen, die zum vorzeitigen Tod führen können. Jahrelang wurden giftige Chemikalien unsachgemäß in Flüssen wie dem Buriganga in Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs, entsorgt und verschmutzten in großem Stil die Umwelt.

Auch die schwächsten Glieder der Produktionskette, die Tiere, leiden unter den Umständen, denn in diesen Staaten gibt es meist keine ausreichenden Tierschutzgesetze oder bestehende werden einfach nicht eingehalten, sodass die Tiere unter lebewesenunwürdigen Bedingungen leben.

Vegane Lederalternativen

Doch es gibt einen Trend, auf den etwa große Marken wie Hugo Boss aufspringen: vegane Lederimitate. Kunstleder. Aber eben nicht mehr nur aus Erdöl, sondern aus Pflanzen. Von Ananasblättern über Pilzfasern bis zu Kork: Der Nischenmarkt spuckt viele kreative und nachhaltige Ideen aus. Vegane Lederalternativen haben nämlich viele Vorteile. Zum einen entfallen viele chemische Prozesse, wie das Gerben, die vielerorts die Umwelt belasten. Außerdem wird ein großer Beitrag zum Ende von Massentierhaltung geleistet, denn der Verkauf der Tierhaut stellt eine nicht geringe Einnahmequelle für die Tierhalter dar. Die Rohstoffe der meisten Lederalternativen jedoch sind im Gegensatz zur Tierhaut echte Abfallprodukte, die höchstens noch zur Energiegewinnung verbrannt werden.  Es werden also Abfallprodukte aufgewertet und das Endprodukt selbst ist in der Regel auch biologisch abbaubar. Doch sind diese Textilien überhaupt massentauglich? Ja, allein „Ananas Anam“, einer der größten Hersteller veganer Lederalternativen, lässt schriftlich mitteilen, dass sie theoretisch mehr als die Hälfte der weltweiten Lederproduktion durch ihr Ananasleder ersetzen könnten. Damit ist also klar: Wenn ein einziger Hersteller nach eigenen Angaben fünfzig Prozent des Ledermarktes  einnehmen könnte, dann müssen vegane Lederalternativen neben PVC-Leder in Zukunft nicht mehr nur einen Nischenmarkt bedienen.

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