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Gastro „im Alter“

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von Julia Paszczella

Ich befinde mich an der Schwelle zum Erwachsen-Sein. Ich bin sweet 27, studiere noch im Master und verdiene mir meine Brötchen als Kellnerin in einer Mainzer Kneipe. Das mache ich bereits eine ganze Weile und habe gemerkt, dass die Unsicherheit meiner Gäste expotentiell zu meinem Alter steigt. Mich anzusprechen wird zu einer Herausforderung: „Du, äh Sie … Ein Bier noch, bitte.“ Man selbst merkt ja meistens eher selten, dass man älter wird („Hatte ich diese Falte auch letztes Jahr schon?!“), aber gerade der Gastrojob reibt einem das manchmal richtig unter die Nase. Siezen in einer Kneipe? Meiner Meinung nach soziale Entgleisung. Neulich kam eine Gruppe Jungs rein. Ich brachte ihnen Bier, wir schwätzten ein wenig und da passierte es wieder: Sie siezten mich. Das wurde mir zu bunt. „Ihr müsst mich nicht siezen, wir sind doch ungefähr im gleichen Alter, oder?“ Kleiner Funfact: Es handelte sich um eine Gruppe Erstis. Ein erstauntes Raunen ging durch die Menge. Schließlich fragte einer der Jünglinge erstaunt: „Echt, sind Sie auch 19?“ Da lag ich wohl ungefähr gleich ein wenig daneben. Das machte mich wirklich betroffen, was ich natürlich versuchte mit einem hysterischen Lachen zu überdecken. Ich denke, erfolglos. Ich kann mich nicht erinnern, was ich geantwortet habe. Aber ich bleibe dabei: In einer Kneipe möchte ich nicht gesiezt werden, egal wie alt ich bin. So halte ich es auch mit den Kunden. Das ist keine Frage des Respekts oder der Höflichkeit. Viel eher gebietet uns die gemütliche, familiär-vertraute Atmosphäre einer Kneipe dies auch auf unsere zwischenmenschlichen Interaktionen zu übertragen. Und so bleibt es dabei: „Kann ich noch was bei Ihnen bestellen?“ – „Aber klar, was möchtest Du?“ – „Ein Bier bitte. Danke Ihnen!“ „Kein Problem, bring ich Dir …“

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