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Car-Sharing für Umwelthelden

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UrStromMobil zeigt, dass sich Auto-Komfort und Energiebewusstsein nicht unbedingt ausschließen. Der erste Standort der klimafreundlichen Carsharing-Alternative ist auf dem Hartenberg.

von Rebecca Höfer

E-Carsharing in Bürgerhand – das ist die Idee hinter UrStromMobil, einem Angebot der UrStrom BürgerenergieGenossenschaft Mainz eG. Der Name klingt umständlich, das Konzept soll es aber eben nicht sein. Engagierte und energiebewusste Bürger aus Mainz und Umgebung haben sich 2010 zusammengetan, um der Luftverschmutzung den Kampf anzusagen und die Energiewende mit selbstproduziertem Ökostrom voranzutreiben.
Als Modellstadt für Klimaschutz sind die Mainzer quasi in der Pflicht, als Versuchskaninchen in Umwelt-Projekten zu dienen. Das System des Carsharing hat sich in den meisten deutschen Großstädten schon etabliert und mit dem Aufkommen von E-Autos liegt es nur nahe, dieses System zu übernehmen – vor allen Dingen, da die private Anschaffung eines elektrobetriebenen Autos bei vielen noch auf Skepsis stößt. Das E-Carsharing soll die letzten Hemmungen senken – schließlich spart man Anschaffung, Stellplatzgebühren und Instandhaltungskosten. Außerdem ist für das Parken in der Mainzer Innenstadt nur die Parkscheibe fällig, anstelle der happigen Parkscheingebühren, die Verbrennungsmotorfahrern blühen.

Es mangelt an Stellplätzen

Seit dem 1. Juni 2018 gibt es auf dem Hartenberg den ersten Mainzer e-Carsharing-Stellplatz. Zwei umweltfreundliche Gefährte stehen den derzeit fast vierzig Nutzern zur Verfügung, geladen mit UrStromPur, 100 Prozent Ökostrom aus Deutschland. Registriert wird sich per App, über das Smartphone kann dann das Auto freigeschaltet werden. Um zu einer geplanten Uhrzeit ein geladenes E-Car nutzen zu können, sollte man es 24 Stunden vor der geplanten Fahrt reservieren – für den spontanen Einkaufstrip gibt es die „Sofort Fahren“-Option, bei der ein Fahrtantritt innerhalb von 30 Minuten möglich ist. Je nach Nutzungsintensität bietet UrStrom drei verschiedene Tarife: für den Gelegenheitsfahrer, den regelmäßigen Nutzer und den Premiumtarif, bei dem die Verfügbarkeit garantiert wird. Sobald das E-Mobil wieder an der Säule auf dem Hartenberg steht, wird abgerechnet – zwischen 6 und 22 Uhr kostet es ab 2.50 Euro, nachts zwischen 22 und 6 Uhr 50 Cent pro Stunde, zusätzlich werden 15 Cent pro Kilometer fällig. Mit einer Reichweite von bis zu 250 km ist vom Ausflug zum Baumarkt bis zum Verwandtschaftsbesuch im rheinhessischen Umland alles drin. Das System läuft so gut, dass einige Nutzer bereits ihr Privat-Auto verkauft haben und komplett auf E-Carsharing setzen. „Jetzt sind wir auf Stellplatzsuche in anderen Stadtteilen, weil uns die Leute die Tür einrennen. Teilweise kommen die Leute mit dem Rad aus der Neustadt, um dann hier ein e-Mobil zu mieten“, freut sich Philipp Veit vom Vorstand der UrStrom Genossenschaft in Mainz über die positive Resonanz. Aber gerade da liegt auch im Moment noch der größte Schwachpunkt in der Umsetzung: Stellplätze können nicht von der Stadt zur Verfügung gestellt werden, sondern müssen bei privaten Anbietern gemietet werden und diese bieten meist nur kurzfristige Mieten an. Die Nachfrage ist hoch, die Stellplätze begrenzt. Versuchskaninchen Hartenberg hat überlebt und bestanden – für eine Skalierung des umweltfreundlichen Carsharings müssen allerdings noch einige strukturelle Hindernisse aus dem Weg geräumt werden.

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