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Ein Bürgermeister für die Nacht

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Mannheim hat ihn, Wiesbaden will ihn, Mainz braucht ihn – den Nachtbürgermeister. Ein Amt, dass sich in vielen Metropolen dieser Welt bereits durchgesetzt hat und nun so langsam auch in Deutschland in den Fokus der nachhaltigen und zukunftsorientieren Stadtentwicklung rückt.

von Jonas Julino

2003 startete Amsterdam das Projekt Nachtbürgermeister. Mit Mirik Milan wurde 2012 bereits der fünfte Amtsträger gewählt. Seitdem verbreitet sich die Idee rasch über den ganzen Globus. Metropolen wie New York, London oder Paris sprangen auf den Zug auf und verbessern seitdem das Leben in der Nacht. Dabei sind die Schwerpunkte der Tätigkeit eines Nachtbürgermeisters durchaus verschieden. Mediator, Impulsgeber oder Sprachrohr – verschiedene Städte, verschiedene Aufgaben. Milan setzte sich beispielsweise in Amsterdam für längere Öffnungszeiten der Bars und Clubs ein. 2014 wurde die strikte Regelung gelockert und die Sperrstunde abgeschafft. Aufgrund positiver Resonanz aus Städten, die über einen Night Mayor verfügen, interessieren sich immer mehr deutsche Kommunen dafür. In rund vierzig Städten beschäftigt man sich aktuell mit der Thematik – so auch in Wiesbaden.

Wiesbadener Jugendparlament treibt Idee voran

Der kritische Leser wird sich fragen: „Wiesbaden und Nachtleben? Wozu wird da ein Nachtbürgermeister gebraucht?“ Genau an diesem Punkt setzen die Initiatoren vom Jugendparlament an. „Ein Wiesbadener Nachtbürgermeister soll in erster Linie dazu beitragen, dem Sterben des Nachtlebens entgegenzuwirken“, sagt Silas Gottwald, Vorsitzender des Jugendparlaments. Der 20-Jährige setzt sich seit längerem für eine solche Stelle in seiner Stadt ein. Dem bereits formulierten Antrag haben Gottwald zufolge alle Parteien grünes Licht gegeben. „Aktuell wird in den verschiedenen Dezernaten am Konzept gebastelt und spätestens im September steht die finale Abstimmung im Stadtparlament an.“ Er rechne fest mit einer Mehrheit. Als Vertreter der Wiesbadener Jugend ist ihm auch die nächtliche Sicherheit wichtig. Eine Umfrage hätte gezeigt, dass sich viele Frauen nachts unsicher fühlen. „Hier braucht es einen Nachtbürgermeister, der die Hotspots ausfindig macht und mit den Behörden Konzepte für ein besseres Sicherheitsgefühl entwickelt.“

Mainzer Zurückhaltung

Mainz hat dagegen ein aktives Nachtleben mit Clubs, Bars, Biergärten und vielen Festen. Junge Menschen nutzen die zahlreichen Angebote und beleben dadurch die kulturelle Szene der Landeshauptstadt. Konflikte bleiben da nicht aus. Lärmbelästigung und Verschmutzung vor allem in der Innenstadt werden von Anwohnern beklagt. Gastronomen ärgern sich über die Vergnügungssteuer oder eine zeitlich begrenzte Außenbestuhlung. Was fehlt ist eine Instanz, die solche Konflikte lösen kann. Konkrete Pläne seitens der regierenden Parteien im Mainzer Stadtrat gibt es aktuell nicht. Die Mainzer Pressestelle teilt jedoch mit, ein Nachtbürgermeister sei durchaus vorstellbar.
Trotz der recht zurückhaltenden Position der Stadt, wird auch in Mainz über das Thema diskutiert und ein Nachtbürgermeister gefordert. Martin Malcharek (Die Linke) und Kamil Ivecen (Grüne) beispielsweise bringen mit ihren Ideen den Diskurs nach vorne. Welche Forderungen gestellt werden und wer für ein solches Amt in Frage kommt, erfahrt ihr in einer ausführlichen Onlineversion dieses Textes. Außerdem gibt der Mannheimer Nachtbürgermeister Hendrik Meier einen Einblick in die Arbeit und die Erfolge seiner bisherigen Amtszeit.

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