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Alles – aber nicht verstaubt

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Ist das Deutsche Kabarettarchiv in Mainz. Unter neuer Leitung trifft alter Kabarettcharme auf frische Ideen.

In den historischen Gewölben des Proviant-Magazin lagern viele bunte Kuriositäten der Kabarettgeschichte. Die vollständige Erschließung aller Erscheinungsformen der Satire hat sich das Archiv zur Aufgabe gemacht. „Tatsächlich weiß man aber nie, was Lustiges aus den Kisten herauskommt, die uns überlassen werden“, freut sich die neue Archivchefin Martina Keiffenheim. Derzeit werden rund neunzig Nachlässe verwaltet, einige Schätze schlummern jedoch noch im Backoffice und müssen zunächst gesichtet werden. Das aufregende Unboxing teilt sich Theaterkind Martina Keiffenheim mit der neuen Verwaltungsleiterin Nicole Roth, die schon während ihres Studiums vor 13 Jahren Erfahrungen im Archiv sammeln konnte. Zusammen mit zwei weiteren festen Mitarbeitern sollen die Geschichten des Archivs erlebbar gemacht werden.

Junges Blut und alte Schätze

Vorrangig tummeln sich in der Forschungsstätte Studenten der Fächer Literatur, Theater-, Medien-, Kommunikations- oder Politikwissenschaften für die Arbeit an Dissertationen oder Examensarbeiten. Ein eigenes Archezimmer gibt es für die Lernwilligen und für die „Lieben“ sogar ein Kaffee, schmunzelt die Archivchefin auf unserem Rundgang. Auf mehr als tausend Quadratmetern, verteilt auf zwei Standorte, unterhält das Archiv eine umfassende Bibliothek, Disko- und Videothek, Plakat-, Noten- und Zeitschriftensammlung. Am zweiten Standort, im Schloss zu Bernburg an der Saale, gibt es ein besonderes Erbe des Kabaretts zu bestaunen. Hier lagert dokumentierte Kleinkunst und Satire aus DDR und Nachkriegszeit. Zur Museums- und Ausstellungsfläche haben auch zwei Bühnen unter den Gewölbebögen Platz gefunden. Eine Kleine im Eingangsbereich wird für Lesungen und Presskonferenzen genutzt. Eine Größere schließt an den Barbereich an, der bei Brezn, Spundekäs und Wein zum lustigen Austausch einlädt. Hier werden unregelmäßig Veranstaltungen organisiert, die für Studenten auf Anfrage rund zwei Tage im Voraus übrigens kostenfrei zu besuchen sind. Den Weg zum Deutschen Kabarettarchiv findet man ganz einfach: Man folge einfach den „Sternen der Satire“ die sich über den Weg vom unterhaus bis hin zum Archiv verteilen. Der „Walk Of Fame“ des deutschen Kabaretts erinnert an große Namen, die das Genre im 20. Jahrhundert geprägt haben. Direkt hinter der Eingangstür sind dann Gesichter und Geschichten der auf den Sternen verewigten Künstler zu erfahren.

Kurioses und Aktuelles

An der kleinen Bühne vorbei gibt es derzeit Höchstvergnügliches aus der „Wunderkammer“-Ausstellung zu betrachten. Zu dem „Queen-Mum“-Hut von Brigitte Mira gesellen sich hier unter anderem der Depilator zur Haarentfernung von Hannelore Kraus oder eine Eintrittskarte in Form einer Glühbirne für die Kohl-Parodien der Dietrich-Kittner-Vorstellungen. Auch besonders wertvolle Stücke findet man auf der Ausstellungsfläche, wie die Original-Schreibmaschine von Dieter Hildebrand oder die Orgel von Hanns Dieter Hüsch. Und in all dem blind zurecht findet sich Archivar Matthias Thiel. Er ist seit 1998 Teil des Teams und unerlässlich sowohl für die Archivarbeit als auch für die Fragen der suchenden Studenten. Mittels alter Abspielgeräte digitalisiert er, was die Server und Festplatten hergeben, um das Archiv nicht bald um ein zusätzliches Lager erweitern zu müssen. „Die Lager in Hechtsheim und in Mombach sind voll“, so Martina Keiffenheim. Für die Organisation von umfangreichen Projekten, Jubiläumsveranstaltungen und Wanderausstellungen wird einiges an Material benötigt. Kaum zu glauben, dass das mittlerweile sogar von Land und Bund geförderte Archiv 1961 aus einer privaten Sammlung von Reinhard Hippen entstanden ist. Mit dem Ausblick auf das fünfzigste Jubiläum und die geplante Frauenkabarett-Ausstellung 2021, geht den Organisatoren die Arbeit im Archiv nicht aus. Immer gern gesehen sind junge Köpfe mit frischen Ideen für das Archiv. Praktikanten und Werkstudenten diverser Fachrichtungen können sich hier in eigenen Projekten ausprobieren. Bei Kabarett, Brezn, Spundekäs und Wein sind Perspektivenwechsel und #Mainzgefühl garantiert.

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