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Testsieger Deutschland

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Testen, testen, testen lautet aktuell die Devise. Dementsprechend hoch ist der Bedarf an Schnelltestzentren. Die verbreiten sich aktuell gefühlt schneller als das Virus selbst.

von Jonas Julino

Er wird gebraucht wie gerade kein anderer: der Corona-Schnelltest. Er ist Eintrittskarte in Bars oder Museen, sorgt für sichere Treffen im Freundeskreis, wird gehasst und geliebt. Um die hohe Nachfrage zu decken, schossen in den vergangenen Wochen und Monaten Testzentren wie Pilze aus dem Boden. Weil Apotheken und Arztpraxen den enormen Bedarf an Testungen nicht stemmen können – und Vater Staat ohne Unterstützung wohl auch aufgeschmissen wäre – übernehmen zurzeit private Dienstleister*innen einen großen Teil der nationale Teststrategie.
Spätestens seit der Einführung kostenloser Bürgertests im März vervielfachte sich die Zahl der Testzentren. Nicht immer ohne Probleme: In Mainz mussten Ende Mai vier Teststellen aufgrund hygienischer und organisatorischer Mängel schließen und Betrüger*innen kassieren ab, obwohl sie keine Tests durchgeführt haben. Nicht verwunderlich: Kontrollen über Prozesse und Einhaltung der Hygienestandards gibt es fast keine und die Vergütung ist durchaus verlockend. 18 Euro pro durchgeführten Test erhalten die Betreiber*innen der Teststellen. Der Betrag wird wiederum gesplittet, wobei maximal sechs Euro für den Test selbst abgerechnet werden. 12 Euro bleiben für Personal-, Materialkosten, Miete und Gewinn.

Testzentren in Bordellen, Bars und Redaktionen
So kam es, dass Menschen aus den verschiedensten Bereichen im vergangenen Jahr auf den Zug „Schnelltest“ aufsprangen und ihre eigentliche Berufung ins Schnelltest-Business verschoben. Noch weit vor den ersten kostenlosen Tests startete das Unternehmen Schnelltest-Deutschland. Ende 2020 fanden sich drei Mainzer Veranstalter*innen aus der lahmgelegten Eventbranche zusammen und eröffneten ihre erste Covid-Teststation am Schillerplatz.
Die Orte an denen Getestet wird, könnten unterschiedlicher nicht sein. In Mainz kooperierten beispielsweise die Betreiber der Kultkneipe Zur Andau mit Schnelltest-Deutschland und so wurde die Andau für einige Monate zur Teststation, ehe sie Mitte März wieder zur Kneipe umfunktioniert wurde. Wer die Malakoff-Passage Richtung Rhein verlässt, passiert eine Station, die im imposanten Ballsaal des Hyatt Hotels untergebracht ist und vor jedem zweiten Baumarkt reihen sich Testcontainer für den schnellen Test zwischendurch. Auch im alten Postlager, im Staatstheater Mainz sowie vor dem Schlachthof in Wiesbaden wird getestet. Besonders kurios: In Köln und Heidelberg sattelten Bordelle um und sind seit Kurzem zum Testen da. Selbst Redaktionen werden umfunktioniert. Da die dieses Magazins derzeit fast ausschließlich im Home-Office entsteht, können sich seit Mitte Mai auch in den heiligen Hallen der STUZ Menschen auf das Coronavirus testen lassen.

Mehr Testzentren als Infektionen
Trotz der enormen Nachfrage an Tests, sind nicht alle Bürger*innen überzeugt vom Stäbchen in der Nase oder dem Rachen. Die Angst vor dem groben Nasenabstrich sitzt bei einigen tief – wird in einigen Stationen doch sehr rustikal das Stäbchen in die Nase gebohrt. Auch klassisches Stammtisch-Fachwissen macht mit einigen kruden Fakten die Runde. So hört man hin und wieder, 50 Prozent der Tests seien fälschlich positiv. Das stimmt nicht ganz: Von den mit einem Antigen-Schnelltest positiv getesteten Menschen, erweisen sich nach einem späteren PCR-Test 50 Prozent als Corona negativ. Ein kleiner, aber feiner Unterschied. Auch das Klagen über die vielen Tests und die damit verbundenen positiven Fälle macht die Runde. Sicher steigen die Fallzahlen, je mehr getestet wird. Ergo werden potentiell positive Menschen daran gehindert, das Virus auf Veranstaltungen, in Restaurants oder auf Familienfeiern zu verbreiten. Positive Nachricht: Der Anteil positiver Tests in Deutschland sinkt seit Mitte April deutlich ab – aktuell liegt der Wert bei rund vier Prozent. Den Höchststand erlebten wir im Januar mit über 15 Prozent. So könnte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis wir mehr Corona-Testzentren als Infizierte haben.

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