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Die Coaching-Welle rollt…

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…und sortiert sich selbst aus. Der Beruf des Coaches ist nicht geschützt und so sprießen Berater seit geraumer Zeit wie Pilze aus dem Boden.

von Nadine Tannreuther

Meine Klienten gewinnen nachvollziehbare Erkenntnisse über sich selbst, selbst definierte Ziele werden stärker verankert und Ziele tatsächlich als erreichbar angesehen“, beschreibt Diplom Soziologin Babette Wünstel aus Frankfurt ihre Tätigkeit. Dabei fungiert Coaching als Sammelbegriff für unterschiedliche Beratungsmethoden: von Psychologie über Ernährung bis zum beruflichen Alltag. Zumeist stehen strukturierte Gespräche zwischen dem Coach und dem Coachee im Zentrum.

Spezialisierung als Zauberwort
Simone Koch aus Wiesbaden hat sich auf Trennungen und Scheidungen fokussiert und betont die Wichtigkeit des Berufsfeldes: „Ich persönlich finde den Trend richtig und wichtig, sich nicht erst in der Krise Hilfe an die Seite zu holen, sondern in Antizipation des Lebens.“ Herausfordernde Lebenssituationen können so im Hinblick auf Widerstandsfähigkeit und Konfliktlösung abgemildert oder vermieden werden.

Bedenkliche Entwicklung
Ingrid Tonn-Euringer, ebenfalls aus Wiesbaden, begleitet seit über 20 Jahren Frauen und Männern als ganzheitlicher Coach und Erfolgs-Lotsin. Sie holt Menschen da ab, wo sie festhängen. Sie bringt Klarheit, Balance und positive Neuausrichtung in den Alltag. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung ist Tonn-Euringer überzeugt, dass ein qualifizierter Coach seine eigenen biografischen Themen bearbeitet haben sollte. Auch braucht es Lebenserfahrung, passende Räumlichkeiten und eine umfassende und fortlaufende Aus- und Weiterbildung. Ihrer Meinung nach ist das völlig aus dem Blick geraten. Denn jeder kann sich als Coach selbstständig machen, wodurch Coaching einen schlechten Ruf bekommt und die Klient:innen verunsichert oder unzureichend unterstützt werden.

Begleiten aus Überzeugung
Coaching bedeutet Leidenschaft und Berufung, wie Isolde Guckelsberger-Penzin aus Mainz beschreibt. Als Choreografin und Psychologisch-Systemischer Coach wechselte sie nach vielen Berufsjahren als Konstrukteurin der Automobil- und Raumfahrtbranche in die Coaching Branche. Sie sieht die Situation entspannter: „Viele Anbieter verfügen nicht unbedingt über psychologisch fundierte Kenntnisse, doch sprechen aus eigenen Erfahrungen, die sie an andere weitergeben möchten. Warum auch nicht?“ Die Gefahr dabei ist, dass viele Lösungsmuster, die an sich selbst erfolgreich vollzogen wurden, nicht unweigerlich auf andere Menschen übertragbar sind. Daher ist fundiertes Wissen aus der Psychologie und vor allem viel Empathie wichtig. Guckelsberger-Penzin ist Beraterin aus Überzeugung: „Es ist ein großartiges Gefühl, bei der Entwicklung eines Menschen als Coach dabei sein zu können und die Freude des Erfolgs teilen zu dürfen.“ Als erfahrener Coach fühlt sie sich durch den Hype nicht bedroht: „Meine Schwerpunkte sind klar. Ich messe mich nicht mit einem studierten Psychologen und auch nicht mit Coaches aus anderen Gebieten, die mir völlig unbekannt sind. Meine Klienten werden von mir individuell zwischen den gebuchten Stunden begleitet und betreut, damit sie motiviert bleiben. Das macht die Qualität und die Vielfältigkeit meines Coachings aus.“

Selbstregulierung des Marktes
Carsten Muscheid aus Wiesbaden arbeitet seit mehr als 20 Jahren in der Beratung und erachtet die Bewegung nicht grundsätzlich negativ, denn es drückt Interesse an der Arbeit mit Menschen aus. Seinem Empfinden nach wächst der Markt und die Nachfrage seit etwa eineinhalb Jahren. „Die Palette der Gebiete ist so bunt und vielfältig wie das Leben selbst. Diese Strahlkraft zieht Menschen an.“ Skeptisch ist er trotzdem: „Der Coachingmarkt ist ein Wachstumsmarkt. Und daher ruft auch dieser Markt Anbieter auf den Plan, für welche die eigentliche Bedeutung von Coaching nicht der Kern ihrer Arbeit ist. Und so werden Coachingprogramme veröffentlich, die aufgrund ihres hohen, marktunüblichen Preises Qualität versprechen sollen, deren Herausgeber aber in einzelnen Fällen nicht über die Lebens- und Berufserfahrung verfügen.“ Seiner Vermutung nach wird sich die Branche jedoch mittelfristig selbst regulieren.

Inspiriert durch den eigenen Coach
Auch Menschen, die selbst ein gutes Coaching erfahren haben, fühlen sich inspiriert. So hat Angelika Stehle, Fotografin aus Wiesbaden, ihren Weg in die Branche gefunden: „Coaching ist eine Hilfe zur Selbsthilfe und keine Beratung. Dies hat mich in einer Lebensphase unterstützt, in der ich nach neuen Zielen suchte.“ Dabei entstand eine Vision, das Flow Working Wiesbaden, um Menschen zusammen zu bringen. Angestoßen durch die positive Entwicklung im privaten und beruflichen Umfeld hat die junge Mutter inzwischen zwei Coaching Ausbildungen absolviert.

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