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Umwelt Wiesbaden

Imker aus Leidenschaft

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Siggi Schneider ist Imker und Vorsitzender des Imkervereins Wiesbaden. Seit vielen Jahren macht er sich für den Schutz der Bienen stark und engagiert sich in der Umweltbildung.

von Inken Paletta

Siggi Schneiders Augen leuchten, wenn er von seinen Bienen erzählt. Täglich schaut der Hobbyimker nach seinen zwölf Bienenvölkern auf seinem Gartengrundstück in Delkenheim. „Nach meiner Pensionierung wollte ich etwas Sinnvolles tun, das auch mit Naturschutz zu tun hat“, erzählt der ehemalige Pressesprecher der Stadt Wiesbaden, der seit sechs Jahren Vorsitzender des Imkervereins Wiesbaden ist. Rund 1.500 Bienenstöcke in Wiesbaden betreuen er und die rund 330 Mitglieder des Vereins. „Ohne uns würden viele Bienenvölker aufgrund der Varoa-Milbe, einem eingeschleppten Parasiten aus Asien, nicht überleben“, verrät Schneider. In Deutschland gibt es rund 560 Bienenarten. 80 Prozent der heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf Bienen und andere Insekten als Bestäuber angewiesen. Doch der Lebensraum für Insekten wird kleiner. „Pro Tag verschwinden in Deutschland durch Bebauung und neue Ackerflächen Lebensräume in der Größe von 80 Fußballfeldern. Der Klimawandel mache zudem besonders den Wildbienen zu schaffen, die an spezielle Pflanzenarten gebunden sind.“ Weniger Insekten bedeutet auch weniger Nahrung für Vögel und andere Wildtiere. Noch bis 2023 ist der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie Roundup beziehungsweise Glyphosat in der EU erlaubt. „Landwirte müssen da dringend umdenken, denn auf solchen Feldern überlebt kein Insekt. Allerdings darf man den Landwirten nicht allein die Schuld geben. Der Verbraucher will perfektes Obst und Gemüse und das gibt es eben nicht ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.“ Verbraucher sollten Obst und Gemüse deshalb regional aus Ökolandbau und entsprechend der Jahreszeiten kaufen und Honig am besten direkt vom Imker. „Bei Honig aus dem Ausland, zum Beispiel aus China, weiß man nicht, wie er hergestellt wurde. Deutscher Honig hingegen muss hohe Qualitätskriterien erfüllen.“ Wer übrigens selbst etwas für die Artenvielfalt tun möchte, kann bei sich im Garten anfangen und bienenfreundliche Pflanzen wie Dalien, Margariten, Hornklee oder mediterrane Kräuter wie Thymian, Salbei, Rosmarin oder Lavendel pflanzen.

Kurse für Neuimker, Probeimkern und Imkerpatenschaften
Gerade bei jungen Menschen liegt das Imkern im Trend. Doch Imkerei und Honigherstellung erfordern viel Zeit. „Ab Frühjahr bin ich jeden Tag bei meinen Bienen“, so Schneider. Außerdem benötige man fundiertes Fachwissen, um sein Bienenvolk optimal zu betreuen. Von einer easy-Bienenbox aus dem Internet rät der Bienenexperte daher ab. „Wer in das Imkern reinschnuppern möchte, kann bei uns den Kurs Praxis Imkern belegen. Wir bieten unseren Mitgliedern außerdem regelmäßig Fortbildungen zu vielen wichtigen Themen rund um das Imkern, also von der Varoa-Bekämpfung, über die Honiggewinnung bis hin zur Völkervermehrung.“ Im Bienenpark im Aukamm in Wiesbaden, im Ausbildungszentrum des Imkervereins, lernen Jungimker in einer einjährigen Ausbildung alles über die Imkerei. „Bei Bedarf stellen wir auch einen Imkerpaten zur Verfügung.“ Beliebt sei auch der Stammtisch, der aktuell digital stattfinde. Um Bienen zu halten, muss man nicht im Imkerverein sein, aber eine Mitgliedschaft biete neben Fortbildungen und einem regen Austausch unter Fachleuten weitere Vorteile. „Wir helfen bei der Meldung beim Veterinäramt und der Tierseuchenkasse, Mitglieder können sich Equipment zur Honigherstellung ausleihen und sind über uns auch Diebstahl versichert.“ Dass Bienenvölker entwendet werden, komme heutzutage leider häufiger vor.

Bienen im Klassenzimmer
Neben dem Blumenzwiebelrettungsprojekt und einem Projekt zur Schaffung von Blühflächen auf den Wiesbadener Friedhöfen in Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt der Stadt Wiesbaden engagiert sich der Imkerverein Wiesbaden auch in der Umweltbildung. Bereits seit sieben Jahren läuft in Kooperation mit der Karl-Gärtner Schule in Delkenheim das Projekt Bienen im Klassenzimmer. „Die Kinder können durch einen Schaukasten im Klassenzimmer die Bienen bei der Arbeit beobachten“, erzählt Schneider, der auch an anderen Schulen Vorträge zum Thema Bienen und Artenvielfalt hält und Schul- und Kindergartengruppen mit auf den Bienenlehrpfad im Apothekergarten in Wiesbaden nimmt. „Mir macht es einfach Spaß den Kindern die Welt der Bienen näher zu bringen und ihnen zu zeigen, wie man Honig herstellt. So lernen die Kinder die Zusammenhänge in der Natur zu verstehen und gleichzeitig werden sie für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur sensibilisiert.“

WTF
Imkerverein Wiesbaden e.V.
Auf imkerverein-wiesbaden.de findet ihr eine Karte mit Imkern aus Wiesbaden und Umgebung
Informationen zu Wildbienen findet ihr auf: igwildbiene.ch

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