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Wie in einer Legokiste

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Cradle to Cradle (zu deutsch: von der Wiege zur Wiege) ist ein visionäres Konzept für einen ökologisch bessere Zukunft durch Kreislaufwirtschaft. Auch im STUZ-Gebiet hat C2C Anhänger. Wir haben mit Nadine, Philipp und Thorsten von der Regionalgruppe Mainz über Atomkraft, Ameisen und Algen  gesprochen.

Interview: Ingo Bartsch

STUZ: Fangen wir mit einer tierischen Frage an. Warum sollten Menschen mehr wie Ameisen sein?

Philipp: Die Biomasse an Ameisen auf der Welt ist größer als die Biomasse der Menschen, und trotzdem verändern die Ameisen den Planeten nicht zum Schlechten hin. Sie haben ja sogar mit Ameisensäure einen chemischen Kampfstoff, und trotzdem ist alles, was sie machen, biologisch abbaubar.

Nadine: Es gibt immer diese Angst vor Bevölkerungswachstum. Aber wir sehen an den Ameisen, dass auch andere Lebewesen es schaffen, viele zu sein und nicht die Umwelt zu schädigen, wie die Menschen es tun.

Philipp: Mit einer abfallfreien Kreislaufwirtschaft würden zehn bis fünfzehn Milliarden Menschen auf der Erde beheimatet sein können. Aber so, wie es zurzeit läuft, geht es nicht. Wir müssen unsere Produkte überdenken.

Kann man denn alles, was Menschen erzeugen und konsumieren, in eine solche Kreislaufwirtschaft überführen?

Nadine: Ich sage mal: zu einem sehr großen Teil. Es ist ein sehr visionärer Ansatz, somit auch ein langfristiges Ziel. Aber wir haben das Vertrauen, dass sich einiges erreichen lässt, wenn man sich nur dransetzt.

Thorsten: Wie die Menschheit agiert ist es weder effizient noch effektiv. Ein Beispiel sind Düngemittel: Nur fünf Prozent gelangen in die Pflanze und davon nur ein Bruchmittel als Nahrungsmittel zu uns, der Rest geht in die Flüsse und ins Grundwasser.

Philipp: Das Konzept von Cradle to Cradle gibt es jetzt seit ungefähr 16 Jahren und es wurde in der Zeit schon einiges erreicht. Aber wir stehen eigentlich noch ganz am Anfang. Viele Sachen muss man quasi neu erfinden und deswegen braucht man auch viele junge, kluge Köpfe, die sich da dransetzen und sagen: Ich will jetzt Mobilität neu erfinden oder neue Gebäudekonzepte.

Es gibt aber auch Sachen, die bereits jetzt nahezu unmöglich sind, oder? Denken wir mal an Kernkraft, an Nuklearabfälle. Das Zeug ist da und strahlt.

Philipp:  Also theoretisch könnte man den radioaktiven Müll in nicht-radioaktiven umwandeln, aber dafür ist so viel Energie notwendig, dass das das ganze Konzept von Energiegewinnung durch Atomkraft zunichtegemacht würde.

Thorsten: Atomkraft macht Müll, macht den schlimmsten Müll, den wir überhaupt kennen. Das lehnen wir ab, deswegen sollte alles aus regenerativen Energien kommen. Die Sonne liefert uns mehr Energie als wir überhaupt verbrauchen. Das Potential ist da. Es ist nur die Frage, wie man die Energie einsammelt und auch speichert. Und wie man sie natürlich dann auch nutzt, um die Kreisläufe, die wir hier möchten, aufrechtzuerhalten.

Philipp: Es gibt ein Statement von c2c zu Atomkraft: Das einzige Atomkraftwerk, was wir brauchen, ist das Fusionskraftwerk Sonne.

Nadine: Es spielen natürlich auch sozialpolitische Sachen rein, etwa, dass wenn man in der Wüste Solaranlagen aufstellt, sie auch gemeinsam genutzt werden.

Also eine globale Aufgabe. Wie ist denn c2c momentan weltweit verbreitet? Wo sind die starken Kontinente, wo hinkt es hinterher?

Thorsten: Stark sind hier in Europa vor allem die Niederlande. Und Kalifornien in den USA.

Und Deutschland?                       

Nadine: Ich glaube, dass C2C schon irgendwo ein Begriff ist, aber dass man sich als Industrieland Deutschland immer noch fürchtet, etwas zu verlieren. Aber ich finde, Deutschland könnte als Entwicklerland eine super Vorreiterrolle spielen, vor allem technologisch.

Thorsten: Gerade weil wir wenig Bodenschätze haben, müssen wir Stoffe wie in einer Legokiste immer wieder nutzen, indem wir sie neu zusammenbauen.

Stichwort Ernährung. Wie positioniert sich C2C hier?

Thorsten: Da gibt es vor allem den Hinweis, weiter unten in der Ernährungskette einzusteigen. Das heißt nicht gleich, kein Fleisch mehr zu essen. Aber Algen produzieren Eiweiß, das der Körper viel besser verwerten kann. Und es müssen nicht 500 Kilo Kartoffeln durch die Sau gehen, damit ein Kilo Fleisch rauskommt. Zu diesem Thema wird schon viel geforscht und ich persönlich würde gern mehr probieren, auch in Richtung Insekten.

Die c2c-Bewegung sagt von sich, es ginge ohne Verzicht. Letztlich muss man doch an einigen Punkten auf Dinge verzichten, die man jetzt hat, oder?

Nadine: Wenn man das als Verzicht auslegen will, dann kann man das. Aber wenn man sagt: Ich möchte gutes Essen haben, das mir schmeckt, dann ist das ja nicht gleich: Ich brauche unbedingt Fleisch. Oder wenn man Mobilität will – heißt dass, das ich unbedingt einen Benziner fahre oder einfach nur, dass ich fahre? Man muss den Gedanken immer ein bisschen weiter denken.

 

Die Cradle to Cradle-Regionalgruppe Mainz trifft sich einmal im Monat im Coworking-M1 in der Nähe des Hauptbahnhofs. Die nächsten Termine: 20. September, 23. Oktober, jeweils 19 Uhr. Kontakt: mainz@c2c-ev.de

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