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Kultur

Durch den Gegenwind bekam ich Ehrgeiz

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Der Mann hat Power: Fünf Alben in elf Jahren. Wir haben uns mit  Wirtz – Singer/Songwriter aus Mainhattan – über A B C unterhalten.

Interview: Ingo Bartsch

Moin Daniel. Heute warst Du in Wiesbaden. Was hast Du dort gemacht?

Ich war in Schierstein, mein Boot aus dem Wasser holen. Morgen ist Abschiedsumtrunk auf dem Rhein, dann ist die Saison vorbei.

 

Wiesbaden-Schierstein ist ein Stück weit weg von deiner Heimat. Wo liegt Heinsberg?

Das ist bei Aachen, der westlichste Punkt der Karte im Dreiländereck, ein gallisches Dorf an der holländischen Grenze. Da bin ich irgendwann abgehauen, relativ früh. Es ist sehr provinziell, zum Geborenwerden cool: viel Natur für Schnitzeljagd und Baumhäuser. Den Zivi habe ich dort noch gemacht, aber dann bin ich Anfang Zwanzig weg, über Bochum, Dortmund und dann nach Frankfurt mit Tendenz Richtung Süden, der Sonne entgegen.

 

Welche Musikrichtung hast Du als Jugendlicher gehört?

In unserem Haushalt war mit Musik nicht so viel los, meine Eltern haben keine Stones oder Beatles gehört. Erstmals in Kontakt mit Musik kam ich im Jugendheim, dann so richtig  Anfang der 90er, als die Welle aus Seattle mit Nirvana, Soundgarden und Alice In Chains kam. Wow! Meine musikalische Offenbarung! Die Musik klang so, wie ich mich gefühlt habe. Sie hat mich schwer geprägt. Sie ist die Wurzel meiner Kreativität.

 

Wo und wie kamst du mit Musik in Berührung?

Früh haben Freunde meiner Eltern meinem Bruder zur Kommunion ein Schlagzeug geschenkt. Ich bin der mittlere Sohn, sie hatten es nicht leicht mit mir und umgekehrt. Ich habe dann immer im Keller gespielt, unten alles rausgelassen und gemerkt, dass Musik geil ist um Aufgestautes abzubauen. Mit mir als Schlagzeuger haben wir dann in einer Schülerband in der Garage geprobt. Es war mein großer Traum im Stadion Musik zu machen. Mein Vater kam, als ich 16 war, mit dem Thema zu mir, dass ich mir Gedanken um die Zukunft machen muss. Ich solle etwas machen, was mich glücklich macht und ich entschied mich für die Musik.

 

Gefiel das deinem Vater?

Meine Eltern fanden es eher bescheiden, um es gelinde auszudrücken. Musik ist Spaß, das geilste was ich mir vorstellen kann. Ich dachte, dann zeige ich es euch! Sie waren der Meinung, es ist nicht realisierbar, und durch den Gegenwind bekam ich Ehrgeiz.

Schlagzeugspielen war mir irgendwann zu viel Geraffe, Aufbauen und Abbauen. Dann habe ich zur Gitarre gewechselt. Später hatte der Sänger keinen Bock mehr und es wurde gefragt: Wer will, wer kann? Dann habe ich das mal als Überbrückung gemacht und bin dabei geblieben.

 

Wie sieht heute ein normaler Tag bei Dir aus?

Früh aufstehen. Am Vortag entscheidet sich, wer unser Kind in den Kindergarten bringt. Dann geht es ab aufs Fahrrad und zurück die Bude aufräumen. Es ist dann ein normales Leben mit Steuererklärung und Einkaufengehen. Es wird gemeinsam gegessen, dann unternimmt man was, trifft sich mit Freunden und zum Schluss gibt es ein Glas Wein und ab ins Bett. Es is relativ langweilig. Das hat wohl damit zu tun, dass es sehr rasant und aufregend ist, wenn ich weg bin.

 

Vervollständige den Satz: Frankfurt du bist so wunderbar …

… weil ich einfach gefunden habe, was ich gesucht habe. Hier fühle ich mich zuhause. Ich mag den Schlag Menschen, das Urbane, das Bahnhofsviertel. Ich mag, dass in einem kleinen Dorf die verschiedenen Kulturen auf kleinstem Raum leben. Mein Dörfliches habe ich in der Großstadt gefunden.

 

Welche Eigenschaft schätzen Deine Freunde?

Ein Wort von mir ist ein Wort. Ich bin zuverlässig und pünktlich. Ob da noch andere schöne Dinge hinzukommen, dass musst du meine Freunde selbst fragen.

 

 

WTF

Am 4. Dezember spielt Wirtz im Schlachthof, Wiesbaden.

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