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Little Britain in your heart

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Keiner weiß, welche Folgen der Brexit haben wird. Fest steht: Er wird welche haben, vermutlich keine tollen. Auch in unserer Nachbarschaft, zum Beispiel bei Britmania in Wiesbaden – doch dort wird noch gehofft.

Von Nadine Tannreuther

Eben noch sinnierst du über den anstehenden Brexit, schon hält die S-Bahn. Endstation Wiesbadener Hauptbahnhof. Du steigst aus, läufst ein paar Meter und schon bist du da, in einer unscheinbaren Straße mit kleinen individuellen Läden. Dabei springt dir ein Schaufenster besonders ins Auge. Du weißt nicht, wo du zuerst hinschauen sollst. Viele Farben und noch mehr unbekannte Produkte. Irgendwann stellst du fest: Es sind britische Spezialitäten direkt von der Insel, die es sonst in Deutschland nicht zu kaufen gibt. Doch damit nicht genug, denn in diesem Geschäft erhalten Liebhaber des britischen Lifestyles alles Mögliche an Deko-Artikel, Geschirr, CDs, Geschenkkarten, Masken, Kissen, Servietten, Souvenirs, Schokolade, Bier und vieles mehr im englischen Stil.


Englands Wunderland
Seit sechs Jahren ist in der Albrechtstraße 3 Britmania angesiedelt. Von nah und fern, von Berlin bis Landau, aus Offenbach, Hanau und Würzburg kommen Menschen gezielt in das „Little Britain“ um vor allem Gebäck, Cupcakes und Scones bei englischem Tee zu genießen. Die Atmosphäre ist gemütlich, inspirierend, authentisch und lecker, denn die Backwaren sind täglich frisch und dabei nicht zu süß und nicht zu trocken. „Die Menschen, die zu uns kommen, sind besondere Menschen. Wenn Leute um die Ecke biegen, sieht man, ob es Kunden von Britmania sind oder nicht“, sagt Besitzerin Sandra Jakobian.
Die Pläne sind groß. Brexit hin oder her – Sandra Jakobian ist voller Elan und Energie. So freut sie sich über gute Bäcker oder Aushilfen im Verkauf, um die englische Teekultur weiter in der Landeshauptstadt zu etablieren. Als vor kurzem ein Engländer Britmania besuchte, verließ er den Laden mit dem Wort „serendipity“ – das unerwartete Gefühl, dass jemandem etwas Gutes widerfährt. Eigentlich hatte Sandra Jakobian nur eine Backwerkstatt für Kuchen auf dem Markt eröffnen wollen. „Doch wie die Dinge so zu einem kommen, sind wir auf Kundenwünsche eingegangen und bieten Teatimes auf Reservierung und eine weitere große Auswahl an – teilweise preisgekrönten – britischen Produkten.“ Heute können Gäste mit bis zu 22 Personen in angenehmer Geräuschkulisse verweilen und sogar feiern.


Abwarten und Tee trinken
Das Vereinigte Königreich wird also aus der Europäischen Union austreten. Dies hat zur Folge, dass Steuern auf englische Produkte extrem steigen. Je nachdem wie geregelt oder hart dieser Fall eintritt, wird Sandra Jakobian über Konsequenzen für ihren Laden entscheiden. Doch im Hintergrund gibt es Plan B, der so oder so kommt. Es läuft nämlich so gut, dass die Besitzerin ein weiteres Café in petto hat.
„Brexit – wenn dieser Fall eintritt und wir dann Probleme hätten Sachen einzuführen, dann muss ich mir genau überlegen, ob ich Britmania weiter betreibe. Alles steht und fällt mit dem, was die da drüben entscheiden. Schade wäre es! Unsere Stammkunden wären traurig und würden heulen, wenn es den Laden nicht mehr gäbe. Die Gäste würden dann in das neue Café um die Ecke kommen, das wir bald eröffnen, doch das ist nicht das Gleiche. Die Hoffnung stirbt zuletzt, deshalb hoffen wir bei einer Tasse Tee erstmal weiter, dass wir mit einem blauen Auge davon kommen“, blickt Sandra Jakobian in die Zukunft.

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