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Umwelt

Zu Öko-Vino sag ich nie no

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Im neuen Teil der STUZ Nachhaltigkeits- und Öko-Serie geht es um eine Branche im Aufschwung: Den ökologischen Weinbau.

Von Rodney Fuchs

Weine aus Südafrika, Chile oder Neuseeland gibt es in fast jedem Discounter zu kaufen. Auch ökologisch produzierte Bioweine reihen sich mitunter in die Märkte unserer Supermärkte. Dabei haben wir die Möglichkeit, den edlen Tropfen direkt vor der Haustür zu kaufen.

Fakten
In Rheinhessen werden circa elf Prozent der Weinbauflächen ökologisch betrieben. Vor zehn Jahren sah der Anteil noch anders aus. Erst im Jahr 1985 wurde der ökologische Weinbau zu einem Thema, das mit der Gründung von Ecovin gefestigt wurde. Die in Oppenheim sitzende Vereinigung listet mittlerweile über 250 Mitgliedsbetriebe, 40 davon in Rheinhessen. Insgesamt kommt mehr als vierzig Prozent des rheinlandpfälzischen Ökoweines aus Rheinhessen, was einer Anbaufläche von 2.971 Hektar entspricht.

Im Fokus steht dabei der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und die Förderung der Artenvielfalt. Auf Pestizide kann man dank pilzresistenter Rebsorten verzichten, sodass mit gezielter Begrünung eine Biodiversität gefördert und biodynamisches Gleichgewicht gehalten wird. Das unterstütz sowohl die Reben als auch die Natur.

Es gibt einen Unterschied zwischen reiner ökologischer Anbauweise und einer nachhaltigen Weinwirtschaft. So werden laut Ecovin bei Ersterem nur umweltrelevante Aspekte erfasst, soziale und ökonomische Aspekte jedoch nicht berücksichtigt. Eine wirklich nachhaltige Weinwirtschaft beinhalte dagegen auch Aspekte des ökologischen Weinbaus. Um von konventionellem Weinbau auf ökologischen oder nachhaltigen Weinbau umzustellen, benötigt es einen langjährigen Prozess.

Die Umstellung ist ein Prozess
In der Tat ist Biowein in der Herstellung teurer und aufwändiger. Die Umstellung auf ökologischen Weinbau dauert drei Jahre und wird zwar staatlich subventioniert, allerdings auch streng kontrolliert. So ist die Umstellung auf ökologischen Weinbau immer eine Investition, die volle Dedikation und Überzeugung voraussetzt. Diese Überzeugung existiert bei manchen Weinanbauern schon seit längerer Zeit, noch bevor Worte wie Nachhaltigkeit und Ökologie zu Alltagsbegriffen wurden.

Bereits seit über 25 Jahren wird das Weingut Huster ökologisch betrieben. Wie sich der Win-zer Tobias Huster erinnert, arbeitete die Familie schon immer mit der Natur: „Ökologie und Nachhaltigkeit waren für meinen Vater immer Themen, die sein Handeln bestimmen. Seine Hauptmotivation war es, seinen vier Kindern eine gesunde Welt zu hinterlassen.“ Als das Pflanzenschutzmittel der damaligen Zeit Hautausschläge und körperliche Folgen für ihn mit sich brachten, begann der Winzer zu handeln. So wurde das Weingut im Jahr 1993 als eines der ersten Weingüter in Rheinhessen „mit allen Konsequenzen“ auf ökologischen Weinbau umgestellt, so Huster: „Mit der Natur zu arbeiten heißt, ihr zurückzugeben, was man sich nimmt und möglichst schonend mit ihr umzugehen. Auch wenn dies nicht immer das wirtschaftlichste Vorgehen ist.“

Mehr Arbeit
Hinter der ökologischen Arbeit stecken für die Winzer mehr mechanische Arbeiten bei der Aufzucht und Pflege der Weinreben. Dafür könne man aber auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Dünger verzichten, so Huster: „Wir investieren in den Anbau des Bodens und nutzen das natürliche Ökosystem.“ So wird der Boden mit einer artenreichen Begrünung bestockt, bei der jede Pflanzengattung eigene Aufgaben hat – als Rückzugsgebiet für Insekten, Nährstoffdepot oder Erosionsschutz.

„Die Arbeiten in der Weinbereitung sind vom Aufwand her genauso hoch wie bei konventionellen“, sagt Huster. „Wir achten jedoch darauf, die Weine nicht künstlich zu verändern und verzichten auf den Zusatz von überflüssigen Weinbehandlungsmitteln.“ So kommt es, dass die Weine des Weinguts allesamt auch vegan sind, da auf eine Klärung mit Gelatine oder Fischblase verzichtet wird. Stattdessen folgt der Winzer der Überzeugung seines Vaters. „Unsere Philosophie ist es, Weine mit der Charakteristik in die Flasche zu bringen, die ihnen die Natur geschenkt hat.“

Impuls im Generationenwechsel
Auch wenn nur etwas mehr als elf Prozent des Weinbaus in Rheinhesse ökologisch betrieben wird, sieht Tobias Huster einen positiven Wandel. Das hat für ihn auch mit einem Generationswechsel zu tun. „Im Weinbaustudium und in der Winzerausbildung ist ökologischer Weinbau mittlerweile Bestandteil des Lehrplans. Das Wissen und die Methoden werden immer ausgereifter und besser.“ Zu Zeiten seines Vaters war der Ökologie-Gedanke im Weinbau noch kaum verbreitet. Das bedeutete für frühere Ökowinzer viel ausprobieren: „Nicht selten sind wir gescheitert und mussten viele Rückschläge hinnehmen.“ Für den Winzer zählt auch das Gefühl, dass der ökologische Weinbau immer wichtiger wird: Ich will mit meiner Arbeitsweise zum Erhalt der Natur einen Beitrag leisten“, so der Winzer.

Qualität und Zielgruppe
Doch sind ökologische Weine qualitativ eigentlich besser als ein konventioneller Wein? „Bioweine sind qualitativ weder besser noch schlechter als konventionell hergestellte Weine. Die Qualität der Weine wird von zahlreichen Faktoren bestimmt – nicht zuletzt vom Geschmack und Geschick der Winzer“, erklärt Huster. Er betont aber, dass es auch um „das gute Gewissen beim Genießen“ geht.

Einen Konkurrenzgedanken unter den Winzer gibt es trotz des Nachhaltigkeits-Hypes nicht. „Wenn das zunehmende Nachhaltigkeitsbewusstsein der Verbraucher immer mehr Weingüter dazu bewegt, ökologischer zu arbeiten, ist das ein Geschenk für die Natur und somit für jeden von uns – Konkurrenz hin oder her.“ Viel
zu sehr schätzt er den Austausch mit den Kolleg*innen, aus dem sich auch Denkanstöße ergeben. „Was wir alle nicht vergessen sollten, ist die Verfolgung eines gemeinsamen Zieles: Deutschen Wein und dessen Qualität und Vielfalt nach vorne zu treiben und in meinem Fall Rheinhesse als renommiertes Weinanbaugebiet weiter zu etablieren.“

Saufen für die Weinberge
Wie eine bekannte Biermarke hat auch Ecovin ein Versprechen zum Erhalt der Natur gegeben. Mit jeder Flasche Ecovin-Wein werden zwei Quadratmeter Boden biologisch gepflegt. Darüber hinaus sorgen strenge Kontrollen für Transparenz, ökologische Konsequenz und eine besondere Qualität, die dem Wein als Naturprodukt nur gerecht werden kann.

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