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Kultur

Manchmal muss es wehtun

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Die Mainzer Sinan Köylü und Tim Zeimet machen stimmungsvolle Musik mit Texten auf Deutsch und Türkisch. STUZ traf das Mainzer Indie-Pop-Duo SINU zum Interview.

Interview Princesha Salihi

Sie singen über die Liebe und alltägliche Inspirationen. In Ihrem aktuellen Song „Deutschland, Deutschland 21“ wird das Duo politisch. Sie spenden alle Streaming-Einnahmen des Songs an die Amadeu Antonio Stiftung. Damit schließen sie sich dem Kampf gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus an.

STUZ: Ihr wart beide erstmal Solo unterwegs. Wie habt Ihr einander gefunden?
Tim: Wir hatten beide schon zu Schulzeiten unsere Bands. Das erste Mal gesehen haben wir uns deshalb in Alzey auf einem Konzert.
Sinan: 2017, im Sommer habe ich angefangen in Berlin zu produzieren. Da habe ich dann immer Tim gefragt, ob er Zeit hat.
Tim: Schon davor. Die ganzen Gigs im Peng. Dann war es so: Tim, hast du Zeit? Wir können aber nicht mehr proben (lacht). Wenn beide schon eine ähnliche Vorstellung haben, wie es zu klingen hat, muss man sich nicht mehr so heftig abstimmen.

Es hat also gevibed zwischen Euch. Am 18. August spielt Ihr ein Fenster zum Hof-Konzert im Innenhof des Landesmuseums. Jetzt wollen wir natürlich wissen, was uns dort erwartet.
Sinan: Es wird sehr emotional, es wird politisch, es wird aber auch sehr gemeinsam.
Tim: Extrem intim. Es wird zwei, drei Momente geben, die wehtun, wehtun sollen und der Rest wird einfach nur schön.

Im aktuellen Song „Deutschland, Deutschland 21“ wird es politisch. Warum habt Ihr euch dazu entschieden, Teile des Songs „Bin ich Deutsch?“ wieder aufzugreifen?
Sinan: Einerseits ist seit 2018 die Situation eher schlimmer geworden als besser. Ich meine, Walter Lübcke ist in der Zeit gewesen, der Anschlag von Halle ist in der Zeit gewesen, Hanau war in der Zeit. Es ist nicht so, dass der Rechtsdruck aufhört, sondern er nimmt Fahrt auf. „Bin ich Deutsch?“ ist damals im Kontext der rassistischen Anfeindungen gegen Mesut Özil entstanden. Irgendwie war ich damals inspiriert diese Hook aus „Türke Türke“ zu benutzen. Die Nummer hat sich aber nie ausgearbeitet angefühlt, sondern eher wie ein Statement.
Tim: Wenn man so einen Song macht, wie wir ihn jetzt gemacht haben, würde man – wenn du jetzt so richtig mit der Ökonomiebrille rangehst – darauf warten, dass irgendwas Schlimmes passiert. Es ist natürlich total bescheuert. Und es passiert alle drei Tage etwas.

Heute sagst Du, dass Du beide Identitäten für Dich vereinen kannst. Gab es in Deinem Aufwachsen Momente, in denen Du Dir gewünscht hast, nur deutsch oder nur türkisch zu sein?
Sinan: Hundertprozentig. Ich habe als ich 14 war überhaupt kein Türkisch mehr gesprochen. Es war eher ein psychologischer Faktor, dass ich alles abgelehnt habe, was daher kam. Ich habe als Teenager mit meiner Mutter gesprochen, weil ich wissen wollte, ob man seinen Namen ändern kann. Es war ja bei mir immer der Name. Die Leute haben immer gesagt, ich sehe ja gar nicht so aus, ich bin ja gar nicht so.

Deinen Namen hast Du letztlich behalten. Wie kam es dazu?
Sinan: Es waren verschiedene Sachen. Einfach zu erfahren, dass die Leute einen dafür mögen, wie man ist, wer man ist. Oder wo man herkommt – was eigentlich keine Rolle spielen sollte.
Tim: Es kann eine Rolle spielen, wenn man selbst gerne darüber reden möchte oder irgendwelche Erfahrungen teilen möchte, aber es sollte nicht in der Bewertung der Person eine Rolle spielen. Also wenn Du von Dir aus darüber reden möchtest, ist das ja cool.

Auf Social Media wird Vieles so heiß wie kurzlebig diskutiert. Auch Ihr äußert euch zu aktuellen Debatten. Wieso?
Sinan: Natürlich, es ist Social Media und nicht ganz die Realität, aber viel politische Stimmung, viel genereller Mindset von jungen Leuten wird über Social Media stark beeinflusst. Ich will da in einem demokratischen Sinne meine Münze mit in den Brunnen werfen.

Bleibt Ihr auch in Eurer Musik politisch und war der neue Song ein Step in Richtung Hip-Hop?
Tim: Kein Step hin zu Hip-Hop, sondern ein Exkurs.
Sinan: Der Song bietet sich auch einfach für das Genre an, weil er sehr textlastig ist, und das funktioniert mit Hip-Hop-Anleihen gut.
Tim: Die Musik als solche wird weiter Indie-Pop bleiben. Es muss nicht immer so böse werden. Ich glaube aber für politische Nummern gelten bei uns einfach andere Regeln.

WTF
Zu sehen ist SINU am 19. August um 20 Uhr im Innenhof des Landesmuseums in Mainz. Tickets unter: fensterzumhof.musikmaschine.net/tickets
Auf Instagram findet man SINU unter: @sinumusic
Auf Spotify unter: Sinu. Dort findet sich unter „Antirassistische Playlist 2021“ auch eine musikalische Kuration des Duos.

Foto: Katrin Leisch

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