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Wiesbaden

„Unser Museum ist ein offenes Haus.“

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Bald ist es soweit: Das mre, Museum Reinhard Ernst wird an der Wiesbadener „Rue“, der Wilhelmstraße, eröffnet und damit eine Kulturmeile aus Museum Wiesbaden, Kunstverein, Bellevue-Saal, Literaturhaus und Staatstheater bilden.

Interview Marc Peschke

Der Bau und Betrieb des mre wird finanziert über die Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung, das Grundstück steuert die Stadt bei. Die Präsentation abstrakter Kunst aus der fast 900 Werke umfassenden Kunstsammlung des in Wiesbaden lebenden Unternehmers und Namengebers Reinhard Ernst steht im Fokus: abstrakte deutsche und europäische Nachkriegskunst, abstrakte japanische Kunst und abstrakter Expressionismus aus den USA. Die Sammlung wird dem Museum zur Verfügung gestellt.

Das Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft zum Museum Wiesbaden wird von dem japanischen Architekten Fumihiko Maki geplant: „Zuckerwürfel “ wird es genannt. Mit Dr. Oliver Kornhoff, ehemals am Arp Museum Bahnhof Rolandseck, wurde unterdessen der erste Museumsdirektor vom Museumsbeirat bestimmt. Marc Peschke sprach mit dem Bauherrn Reinhard Ernst über den Stand der Dinge in Wiesbaden.

Herr Ernst, wie läuft es mit den Bauarbeiten? Im Frühling 2023 soll das Museum Reinhard Ernst eröffnet werden! Wie weit ist der Weg noch?

Der Weg ist noch weit. Wir haben noch mindestens ein Jahr vor uns. Da wir bauen, also nicht bauen lassen, uns also um jedes bauliche Detail kümmern, ist das Ganze schon eine gigantische Aufgabe, die jeden Tag – auch Samstage und Sonntage oft nicht ausgeschlossen – 8 bis 10 Stunden meiner Zeit in Anspruch nimmt.

Die abstrakte Kunst, die hier zu sehen sein wird, von Helen Frankenthaler, Ugo Rondinone, Eduardo Chillida, Morris Louis, Robert Motherwell, Emil Schumacher, Karl Otto Götz oder Frank Stella, wie wurde diese Kunst zu Ihrem Faible, zu Ihrer Leidenschaft?

Die Liebe zur abstrakten oder besser zur nicht gegenständlichen Kunst ist im Laufe vieler Jahre gewachsen und mittlerweile Leidenschaft geworden. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass mir diese Kunst die Möglichkeit gibt, selbst zu entscheiden, was ich erkennen und sehen möchte.

In direkter Nachbarschaft befindet sich das Museum Wiesbaden, das auf dem Terrain des abstrakten Expressionismus, der Farbfeldmalerei und des Informel auch viel Expertise hat. Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit mit den Kollegen und Kolleginnen vor?

Es war von Anfang an klar, dass beide Häuser eine Zusammenarbeit anstreben. Der Direktor unseres Museums Dr. Oliver Kornhoff und seine Mitarbeiter*innen sind darauf eingestellt. Es war geplant, zum Zeitpunkt der Verleihung des Alexej-von-Jawlensky-Preises an Frank Stella eine gemeinsame Ausstellung in beiden Häusern zu machen, da wir eine Reihe von Stella- Skulpturen und -Gemälden in unserer Sammlung haben. Leider müssen wir unsere Eröffnung auf Frühjahr 2023 verschieben, wir werden aber dem Museum Wiesbaden eine wunderschöne Wandskulptur von Stella zur Verfügung stellen.

Wie sieht denn die Ausstellungsplanung aus? Was wird in der ersten Ausstellung zu sehen sein?

Dazu wird sich unser Direktor äußern. Zur Ausstellungsplanung möchte ich nur so viel sagen, dass die erste Ausstellung steht, ebenso die erste Sonderausstellung, die unserem Architekten Fumihiko Maki gewidmet ist.

Was fasziniert Sie an der Architektur von Fumihiko Maki?

Maki ist einer der größten Architekten unserer Zeit, der nie seine Linie verlassen hat. Die von dem Architekturforum AEDES veranstaltete Ausstellung „Making the Museum Reinhard Ernst“, die ab 14. Mai 2022 für sechs Wochen in Berlin stattfindet, dokumentiert dies im Besonderen.

Wie lässt sich ein Privatmuseum ohne öffentliche Unterstützung überhaupt solide finanzieren?

Indem man einen Großteil seines Vermögens dafür verwendet und dies aus der Überzeugung, dass man damit der Gesellschaft etwas zurückgibt. Unsere Stiftung kann das stemmen, aber wir werden auch versuchen, über Sponsoren Ausstellungen zu finanzieren und uns unsere Arbeit mit Kindern unterstützen zu lassen.

Sie verstehen das Museum ausdrücklich auch als „Kulturhaus“. Was wird denn hier noch so alles passieren?

Unser Museum ist ein offenes Haus. Sie können es betreten, sich umsehen und entscheiden, ob Sie ins Museum, den Shop oder ins Bistro gehen wollen. Sie können in unser Museum in einem eigens dafür errichteten Raum Feste feiern und Museumsluft schnuppern. Es ist ein Kulturhaus für alle!

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