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Umwelt Wiesbaden

Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Museum – Ein Spannungsfeld?

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Was tun Museen in Mainz und Wiesbaden für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. STUZ hat nachgefragt.

von Inken Paletta

Auch in öffentlichen Kultureinrichtungen wie Museen ist das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit angekommen. Gerade im Museumsbetrieb fallen oft hohe Energiekosten an, zum Beispiel für die Schaffung von günstigen Klimabedingungen im Innenraum zur Konservierung und Erhaltung von Gemälden und anderen Ausstellungsstücken. Doch auch der weltweite Austausch von Leihobjekten, anfallende Flugreisen der Kuratoren oder das Drucken von Flyern und Ausstellungskatalogen nehmen Einfluss auf die Ökobilanz eines Museums. Viele in die Jahre gekommene Museumsgebäude müssen dringend energetisch nachgerüstet werden. Und auch bei der Planung und Konstruktion von neuen Museen sollten Nachhaltigkeitsaspekte und Klimaschutz berücksichtigt werden. Oft kennen Museen jedoch ihre Gesamtenergiekosten und ihren CO2-Fußabdruck überhaupt nicht.

Mit gutem Beispiel voran

Genau das soll das Projekt „CO2-neutrale Landesverwaltung“ ändern. Gemeinsam mit dem Hessischen Finanzministerium und dem Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen will das Museum Wiesbaden erstmals für den Museumsbetrieb eine komplette Klimabilanz erstellen. Das Ziel: Einsparpotenziale für CO2 und Energie erkennen und somit im nächsten Schritt Weichen in Richtung eines klimaneutralen Museums stellen. „Denn gerade als öffentliche Institution haben wir hier eine Vorbildfunktion“, weiß Museumsdirektor Dr. Andreas Henning. Aber natürlich sei es auch eine Herausforderung, denn man befinde sich als Museum immer in einem Spannungsfeld zwischen Bewahren und Erhalten und Umwelt- und Klimaschutz. Bei der Realisierung sei später dann auch die Politik gefragt. „Denn die Umsetzung ist eben auch mit erhöhten Kosten verbunden“, meint Henning. Zum Internationalen Museumstag am 16. Mai beteiligte sich das Museum Wiesbaden außerdem an der landesweiten Kampagne zur Nachhaltigkeit mit einem großen Banner sowie an der kreativen Bierdeckelkampagne, die auf 17 Nachhaltigkeitsziele aufmerksam machen sollen. „Der Banner mit dem Zitat von Beuys ist vor allem auch als Appell zu sehen: Denn wir müssen jetzt handeln und Weichen für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit setzen, sonst werden künftige Generationen die Folgen ausbaden müssen“, so Henning. Seit Längerem gibt es im Museum Wiesbaden daher auch eine Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit, die Ideen und Lösungen für einen nachhaltigen Museumsbetrieb entwickeln soll. „Ich denke da zum Beispiel an ökozertifiziertes Papier oder auch an die Anschaffung eines modularen Stellwandsystems für die Sonderausstellungen, das mehrfach verwendet werden kann“, skizziert Henning.

Umweltaspekte im Neubau

Auch das Gutenberg-Museum in Mainz ist aktiv dabei, nachhaltige Ideen in den Museumsbetrieb zu integrieren. „Wir setzen im Ausstellungsbau beispielsweise auf wiederverwertbare Präsentationshilfen wie Buchstützen aus Karton und bei Restaurierungsarbeiten werden nachhaltige Naturmaterialien verwendet. Außerdem haben wir den Einsatz von künstlichen Klebstoffen und Lösungsmitteln in den letzten Jahren deutlich reduziert“, erzählt Museumsdirektorin Dr. Annette Ludwig. Im gesamten Ausstellungsbereich des Gutenberg-Museums stelle man gerade auch auf eine energieeffizientere LED-Beleuchtung um. Doch Klimaschutz und Nachhaltigkeit betreffen nicht nur den laufenden Museumsbetrieb. Auch die Energieeffizienz der Gebäude spielt eine entscheidende Rolle. „Das Hauptgebäude, unser Schellbau aus dem Jahr 1962, ist in die Jahre gekommen. Daher haben wir uns für einen Neubau entschieden, bei dessen Planung und Konstruktion natürlich auch Maßnahmen für mehr Nachhaltigkeit, Klimaschutz und eine bessere CO2-Bilanz einfließen werden“, berichtet Ludwig. Genannt seien hier die Nutzung von umweltfreundlichen Baustoffen, ein nachhaltiges Energiekonzept sowie der Einsatz von regenerativen Energien. Wichtig sei aber auch, Besucher und hier vor allem das jüngere Publikum für Klima- und Umweltschutz sowie Nachhaltigkeit durch entsprechende Vermittlungsangebote zu sensibilisieren. „Wir arbeiten in der Museumspädagogik zum Beispiel mit recyceltem Papier, stellen mit den Kindern- und Jugendlichen selbst Papier her oder bedrucken auch Stofftaschen mit aus Makulatur stammenden alten Kartons.“

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