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Mainz Umwelt

Die sieben Prinzipien aus dem Bioland

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Mit Bioland sitzt in Mainz einer der bekanntesten Bio-Verbände, der in diesem Jahr sein fünfzigstes Jubiläum feierte und in der zwölften Ausgabe unserer Öko-Serie genauer beleuchtet wird.

von Rodney Fuchs

Dass es Biolebensmittel mittlerweile im Discounter zu kaufen gibt, ist nichts ungewöhnliches mehr. Für einen Verbund wie Bioland war die Situation jedoch nicht immer so selbstverständlich. Als sich Bioland im Jahr 1971 unter dem Namen „bio gemüse e. V.“ gründete, belächelte man die Gründer*innen und glaubte noch nicht an ihre Idee, wie Samuel Himmel, Pressesprecher des Bioland Landesverbandes Rheinland-Pfalz/Saarland aus Berichten von Gründungsmitgliedern weiß: „Wir können heute jedoch sagen, dass sich der Ökolandbau etabliert hat.“ Erst 1979 änderte man den Namen zu „Bioland“, das 2010 erst zu dem heute bekannten quadratischen Markenzeichen kam. Auch das Image hat sich gewandelt, denn aus den Öko-Freaks wurde eine Wertegemeinschaft, die für Qualität und Transparenz steht, was von den sieben Bioland-Prinzipien manifestiert wird.

Die sieben Prinzipien

Grundlage für die Benutzung eines Biolandmarkenzeichens ist das Einhalten der strengen Bioland Richtlinien, die für Mitglieder aus Ackerbau und Viehhaltung gelten. Eine Umstellung ist weit mehr als das Umschwenken auf ökologischen Anbau. Hierbei gibt es Richtlinien für die jeweiligen Bereiche, die deutlich über den gesetzlichen Standard hinaus gehen. Hinzukommen sieben Prinzipien.

Es geht Bioland darum, im Kreislauf zu wirtschaften. Dahinter stecken die Abfallvermeidung und die Verwertung von Nährstoffen, um den Einsatz von chemisch-synthetischen Stickstoff-Düngern zu vermeiden. Dieser Vorsatz ist verknüpft mit dem Bestreben, die Bodenfruchtbarkeit zu fördern. Es geht Bioland außerdem um die Förderung der Biodiversität und die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen. Auch die artgerechte Haltung von Tieren ist ein Regularium, das sich in den Prinzipien wiederfindet. Für eine gewisse Grünfläche ist damit nur eine bestimmte Anzahl an Tieren erlaubt, um den Tieren genug Platz und Freiraum zu gewährleisten. Nicht nur Prinzip, sondern Berufung ist es „wertvolle Lebensmittel zu erzeugen“, deren Qualität durch die anderen Prinzipien gewährleistet wird. All diese Leitsätze führen folglich zum siebten Prinzip: Den Menschen eine lebenswerte Zukunft zu sichern.

Qualität made in Germany*

Dass Biolebensmittel teurer sind als konventionelle Lebensmittel liegt am Mehraufwand: „Es handelt sich um sehr hochwertige Lebensmittel, deren Qualität sich ebenfalls im Preis widerspiegelt.“ Neben der Umstellung der Betriebe und die weitere Etablierung des Bioanbaus in Deutschland geht es für Herrn Himmel aber auch darum, die Verbraucher*innen umzustellen. Denn nur wenn Verbraucher*innen die Lebensmittel annehmen und kaufen, kann sich das Ziel eines ausschließlichen Bioanbaus in ganz Deutschland realisieren lassen. Dabei setzt Bioland setzt sich gemeinsam mit anderen Bioverbünden dafür ein, nachhaltiger zu wirtschaften. Doch auch wenn alle Verbünde dasselbe Ziel haben, gibt es bei Bioland Unterschiede.

Anders als bei anderen Bioverbünden, geht es Bioland auch um den regionalen Aspekt, so Himmel: „Es gibt keine Avocado mit Bioland-Siegel, solange in Deutschland niemand beginnt, diese anzubauen.“ Denn wo Bioland draufsteht, ist klar, dass es sich um ein Lebensmittel aus Deutschland handelt. Die einzigen Ausnahmen sind Lebensmittel aus Südtirol, wo im Jahr 1991 ebenfalls ein Bioland Landesverband gegründet wurde. Am Ende liefert Bioland damit eine Transparenz, die das Siegel von anderen abgrenzt und eine gewisse Nachhaltigkeit, dank kürzerer Transportwege darlegt.

Perspektive für die Zukunft

Seit der Gründung des Vereins ist Bioland in einem Wachstumsprozess, verbunden mit der Gründung einzelner Landesverbände in den 1980er Jahren, der europäischen Vernetzung im Jahr 2001 und der Mitbegründung des Bio-Dachverbands BÖLW im Jahr 2002. Auch das Junge Bioland im Jahr 2013, die ÖTZ (Ökologische Tierzucht gGmbH), die 2015 gemeinsam mit demeter gegründet wurde und die Gründung der Bioland Stiftung im Jahr 2017 sprechen für den Erfolg des Verbands. 2019 verabschiedete Bioland zudem als erster deutscher Bioverband eine umfassende Richtlinie zur Förderung der Biodiversität. Der Philosophie von Bioland folgen im Jahr 2021 insgesamt 8.504 landwirtschaftliche Betriebe und 1.336 Marktpartner aus der Verarbeitung und dem Handel. Alle haben ein Ziel vor Augen: Wertvolle Lebensmittel erzeugen, die den Menschen eine lebenswerte Zukunft sichern.

Bild: Sonja Herpich/Bioland

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