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Umwelt

Von Kompost und Kaskadennutzung

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Mülltrennung, der Deutschen liebstes Hobby. Dabei hat sich die Biotonne in den letzten dreißig Jahren zur festen Größe etabliert.

von Julius Ferber

In der DDR wurden seit 1953 Speisereste gesammelt und an Schweinemastbetriebe geliefert. Vor wenigen Jahrzehnten landeten Eierschalen, Blumensträuße oder Kartoffelschalen oft auf dem heimischen Komposthaufen. Vor allem in ländlicheren Gebieten ist dies nach wie vor der Fall. In der Stadt ist das anders. Bei der hohen Bevölkerungsdichte ist ein funktionierender Entsorgungsbetrieb (EB) auch für organische Abfälle unumgänglich.

Die Biotonne

Eine Biotonne gab es in der Bundesrepublik erstmals 1981. Da die Abfallwirtschaft jedoch überwiegend kommunal organisiert wird, hat sich die Biotonne erst in den 90er Jahren flächendeckend durchgesetzt. Seitdem hat sich das Aufkommen an getrennt gesammeltem Bioabfall mehr als verzehnfacht. Inzwischen entsorgt jede*r Bundesbürger*in pro Jahr durchschnittlich 60 Kilogramm in der Biotonne – in Mainz waren es 2019 nur 49 Kilogramm.

Theorie und Praxis

Eine Analyse des Bundesumweltministeriums von 2018 geht davon aus, dass deutschlandweit knapp 40 Prozent von dem, was im Restmüll landet, eigentlich Bioabfall ist und „damit einer stofflichen und energetischen Nutzung entzogen” wird.

Seit sechs Jahren ist durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz die getrennte Sammlung von Bioabfällen verpflichtend vorgeschrieben – zumindest theoretisch. Die Pflicht greift nämlich nur, „soweit dies zum Zwecke der hochwertigen Verwertung erforderlich sowie technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar ist“. Dadurch werden längst nicht alle Bioabfälle tatsächlich getrennt entsorgt.

In Mainz kommt das Bioabfallgefäß in grün mit braunem Deckel daher und wird wöchentlich geleert. Dabei wird lediglich das Aufstellen der Tonne je nach Größe mit Beträgen von 15,30 Euro oder 20,50 Euro berechnet. Das einem zustehende Volumen entspricht der Hälfte des Restmüll-Volumens, für das man bezahlt. Sollte die Tonne voll sein, besteht die Möglichkeit, die überschüssigen Bioabfälle kostenfrei zu einem der Wertstoffhöfe zu bringen. Alternativ kann für 1,55 Euro ein Grünabfallsack in den Ortsverwaltungen oder im Umweltladen erworben werden, den man dann gefüllt neben die Tonne stellt.

In seinem Abfallwirtschaftskonzept von März dieses Jahres hat der Stadtrat beschlossen, die Abfallsatzung zu ändern, um ein größeres Biotonnen-Zusatzvolumen ohne Gebühren zur Verfügung stellen zu können. Auf Anfrage äußerte die Stadt, dass dieses Vorhaben bisher noch nicht umgesetzt sei.

Mainz hat Potenzial nach oben

Alles in allem ein niedrigschwelliges Angebot für die Bürger*innen, sollte man meinen. Trotzdem sind nur knapp drei Viertel der ca. 33.000 an die Mainzer Abfallentsorgung angeschlossenen Grundstücke mit einer Biotonne ausgestattet. Hinzukommen zwar noch von mehreren Grundstücken gemeinschaftlich genutzte Biotonnen und Eigenkompostierer, das Potenzial ist aber noch nicht ausgeschöpft. Etwa 2.500 Tonnen könnten pro Jahr noch hinzukommen. Wer also zur besseren Mülltrennung beitragen möchte und bisher noch keine braune Tonne im Hof oder Keller stehen hat, kann die Anschaffung einer solchen anregen.

Mit prüfendem Blick

Überprüft wird die Sortierqualität des Mainzer Biomülls, überdies behält die Umweltstreife im Blick, was in den Tonnen landet. Auffällig seien laut Angaben der Stadt Mainz vor allem Abfallbehälter, die von vielen Personen gemeinsam genutzt werden. Etwa in Großwohnanlagen gingen mit hoher Anonymität viele „Fehlwürfe“ einher. Der EB plane Schulungen der Hausmeister*innen, um dieses Problem anzugehen.

Aus Müll mach Energie

Aus dem Stadtgebiet werden die Bioabfälle in die Biomasseanlage Essenheim gebracht, dort vergoren und das entstehende Gas zur Herstellung von Strom und Wärme genutzt. Zuletzt verrotten die Gärreste und es entsteht hochwertiger Kompost, der in Gartenbau und Landwirtschaft Verwendung findet. Aufgrund dieser sogenannten Kaskadennutzung wird der Biomüll als vollständig recyclebar bilanziert. Auch mit verstärkter Öffentlichkeitsarbeit will das Abfallwirtschaftskonzept daher die Biotonne populärer machen.

WTF

Übrigens: Einen eigenen Komposthaufen anzulegen ist nicht ohne weiteres möglich. Wer seine organischen Abfälle auf dem eigenen Grundstück verarbeiten will, muss hierfür einen Antrag beim EB stellen. Wer sich also mit dem Gedanken trägt, doch wieder „back to the roots“ zu gehen, sollte das im Hinterkopf behalten.

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