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Böse Bäume

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Markus Bennemann liebt Skurriles aus der Tier- und Pflanzenwelt: In „Die Evolution im Liebesrausch“ hat er beispielsweise über den abtrennbaren Penis der Papierboot-Kraken geschrieben, der sich ganz allein auf den Weg zum Geschlechtspartner macht. Das neue Buch des Wiesbadener Autors „Böse Bäume“ zeigt die dunkle Seite der Waldbewohner, stellt Bäume vor, die selbst Feuer legen, ihre Nachbarn vergiften oder sie dazu zwingen, im ewigen Schatten zu stehen.

Interview: Marc Peschke

Herr Bennemann, Sie lehren uns in Ihrem Buch: Im Wald gibt es keinen Frieden, der Wald ist voller Abgründe. Gehen Sie denn trotzdem noch gerne durch Wälder?

Ja klar, vielleicht sogar noch lieber als vorher. Das ist ja das Tolle, wenn man sich mit der Natur beschäftigt. Je mehr man über sie erfährt, umso spannender wird sie. Mein Lieblingsort hier in Wiesbaden ist das Goldsteintal. Im Sommer steht das Gras hoch und die Grillen zirpen. Jetzt ist der Wald noch voller bunter Blätter und riecht wunderbar. Da kann selbst ich kurz vergessen, wie böse Bäume in Wirklichkeit sind!

Sie schreiben in „Böse Bäume“ über exotische Gewächse wie den Götterbaum oder die Würgefeige, aber auch über die heimische Buche. Warum ist sie böse?

Meiner supernetten Lektorin, die ein junges Kind hat, habe ich Buchen glaube ich für immer verdorben. Bei denen geht es schon ganz früh zu wie im Elite-Internat. In den ersten zwei Jahren entscheidet sich, wer wem über den Kopf wächst und später wird’s auch nicht besser. Buchen brauchen sehr wenig Licht, wachsen schneller als andere Bäume und bilden ein dichtes Dach, unter dem sonst kaum was gedeiht. Die gründen keinen Buchclub, sondern sozusagen einen Buchen- Club und der ist extrem exklusiv. Gäbe es uns Menschen nicht, drei Viertel der deutschen Wälder würden aus Buchen bestehen.

Haben Sie eine Rangliste der fiesesten Bäume? Welcher ist denn der Schlimmste?

Als ich für das Buch zu recherchieren begann, dachte ich erst, ich müsste noch böse Blumen oder böses Gemüse dazu nehmen. Aber wie immer in der Natur: Abgründe gibt es reichlich. Die Würgefeige ist sicher der auffälligste böse Baum, die hat ihren Namen nicht umsonst. Ziemlich aus den Socken gehauen haben mich auch Eukalyptusbäume, die – völlig verrückt für einen Baum! – ihre eigenen Waldbrände legen. Jetzt zur Adventszeit passt aber wohl am besten der Australische Weihnachtbaum. Der – und auch das ist total absurd – kappt anderen Bäumen die Wurzeln mit einer Art Gartenschere.

Woher rührt eigentlich Ihr Interesse an der dunklen Seite der Natur?

So was fragt man sich natürlich auch selbst irgendwann und ich habe inzwischen meine geliebte „Tante Herta“ als Schuldige ausgemacht. Die ist früher im Wiesbadener Kreuzkirchen- Kindergarten mit uns durch den Wald spaziert und zwar bei jedem Wind und Wetter. Dabei hat sie die oft brutal grausamen grimmschen Märchen erzählt – da haben sich dann wohl ein paar Neuronen falsch verschaltet.

Es gibt diese romantische, oft etwas kitschig-esoterische Sicht auf „weise“ Bäume als „Kraft-Orte“, die eine heilende Funktion haben. Ich denke mal, Sie räumen gerne mit diesem Mythos auf, oder?

Na ja, sagen wir mal so: Wenn es nur darum geht, sich irgendwie die Welt schönzureden, dann finde ich das schnell langweilig. Ich selbst fühle mich aber auch total wohl unter Bäumen – selbst jetzt noch, wo ich weiß, was sie alles auf dem Kerbholz haben. Liegt das an der nachweislich gesunden Waldluft, den schönen Dingen, die man im Wald oft macht, oder an irgendwelchen uralten Instinkten? Da bin ich überfragt.

Wo steht denn der gemeinste, bösartigste Baum in Wiesbaden?

Bei mir im Park vor der Tür stand früher ein schöner Walnussbaum. Aus den Früchten hat meine Oma im Herbst immer ganz tollen Nusskuchen gemacht. Dabei zeigt sich, dass die Walnuss in Wirklichkeit eine ganz gemeine Giftmischerin ist! Die vergiftet tatsächlich den Boden um sich herum mit einem natürlichen Herbizid. Ein Ding, wo man denkt, nur wir Menschen seien dazu in der Lage.

In ihren Büchern geht es ja immer um eine Nähe zwischen Mensch und Natur. Sie zeigen uns, dass die Natur, dass Fische oder Bäume auch nicht viel besser sind als wir Menschen. Wenn Sie ein Baum sein müssten, welcher wären Sie denn gerne?

Im Buch kommen auch kalifornische Mammutbäume vor und dort an der Küste zu stehen wäre wahrscheinlich keine so schlechte Sache. Buchen sind zu streberhaft, Würgefeigen zu fies, Eukalypten verlieren ständig ihre Rinde. Am meisten berührt hat mich im Buch, glaube ich, die obere, also gute Seite vom Australischen Weihnachtsbaum. Der sorgt dort mit seinen schönen Blüten im Advent für Weihnachtsgefühle. Und bei den Aborigines ist er so was wie ein Rastplatz für die Seelen ihrer Ahnen.


WTF
Markus Bennemann: Böse Bäume. Wie sie töten, stehlen, Feuer legen – die dunkle Seite unserer liebsten Waldbewohner.

Mit Illustrationen von Janine Czichy. Goldmann Verlag. 18 Euro.

Foto: Markus Bennemann (c) Karim Omar

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