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„Gute Filmmusik hat etwas zu erzählen“

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Der Musiker und Komponist Matthias Frey ist Ideengeber des Filmmusikfestivals. Wir haben mit ihm über gute und schlechte Filmmusik und über das Festivalprogramm gesprochen.

STUZ: Herr Frey, Sie sind ja vom Fach. Welcher Film hat eine richtig gute Filmmusik?

Matthias Frey: Da gibt es natürlich ganz viele. Ein Beispiel ist Hitchcocks „Psycho“. Die Musik war damals sehr modern, da hat man sich getraut, etwas besonderes zu machen. Die Musik hat einen sehr guten Effekt auf die Bilder und die Geschehnisse im Film.

Und, Gegenteilfrage: Wo finde ich schlechte Filmmusik?

Die findet man ganz oft in Fernsehserien. Die werden ja heute regelrecht zugeschüttet mit Musik. Diese Musik plätschert dann so dahin, kommt in der Regel unsinspiriert aus dem Rechner und könnte auch weggelassen werden.

Woran erkennt man gute Filmmusik?

Gute Filmmusik hat etwas zu erzählen. Man kann dabei zwei Arten von Filmmusik unterscheiden. Es gibt die, die auch ohne den Film funktioniert. Das ist zum Beispiel in dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ der Fall. Diese Akkordeonmusik ist wunderbar komponiert, hat schöne Klangfarben. Die andere Art Filmmusik ist die, die ganz eng ans Bild gebunden ist, also gewissermaßen nicht fürs CD-Regal komponiert wurde. Es gibt aber auch Musik, die man ohne Film hören kann, aber nicht, ohne die Bilder aus dem Film vor Augen zu haben – etwa das berühmte Streicherthema aus „Der Weiße Hai“.

Gibt es in der Filmmusikkomponistenszene so etwas wie Ikonen, einen „Steven Spielberg der Filmmusik“?

(lacht) Klar gibt es hochangesehene Komponisten. In Deutschland ist das Hans Zimmer. Er hat die Musik zu „Dunkirk“ geschrieben, der auch auf dem Festival gezeigt wird. Das ist nicht mal sehr melodiöse Musik, sie ist eher elektronisch und metallen. Aber sie hat eine unglaubliche Wirkung zusammen mit dem Bild.

Welchen Film muss man schauen, wenn man Ihre Filmmusik hören möchte?

Oh, da gibt es viele. Ich habe vor allem für ARD- und ZDF-Produktionen komponiert, auch für Tatort-Produktionen. Ich bin auch schon mit dem Grimmepreis und dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet worden. Auf dem Festival wird „Zuckerbrot“ zu sehen sein, da spielen unter anderem Ulrich Tukur und Henry Hübchen mit. Es ist ein großes Glück, für solche guten Filme mit Anspruch komponieren zu dürfen.

Ist das Filmmusikfestival nur für Cineasten oder auch für die breite Masse?

Wir haben jede Menge tolle Veranstaltungen und prominente Gäste, zum Beispiel Axel Prahl oder die Berliner Cutterin Vessela Martschewski, die für ihren Schnitt schon einen Oscar bekommen hat. Wir zeigen „Goldrush“ von Charlie Chaplin mit Orchester. Chaplin hat die Musik zu diesem Film selbst komponiert. Das Festival ist also nicht nur für Cineasten. Klar geht es hier und da auch mal um, ich sage mal, etwas eckige Filmmusik. Aber es wird toll und ich empfehle, jeden Tag zu kommen! (lacht)

 

WTF

Filmmusikfestival
30. Mai bis 3. Juni
Ingelheim
Programm: filmmusikfestival-ingelheim.de

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