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Gesellschaft

Crime #256

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Von leichter Beute und schweren Jungs, oft nicht witzig und häufig zum Schießen: Wir präsentieren die Top-Verbrechen aus dem STUZ-Gebiet.

Das Geld zum Fenster rauswerfen“ ist eine dieser Redewendungen, die natürlich nicht wörtlich zu nehmen sind, ähnlich wie „Erbsen zählen“ oder „zwei linke Hände haben“. So etwas kommt nicht vor, es sind keine tatsächlichen Phänomene, sondern Verbildlichungen banaler Sachverhalte, wie etwa die Verschwendungssucht der einen, die Pedanterie der nächsten oder das handwerkliche Ungeschick einer dritten Person. Umso bemerkenswerter, wenn dann doch mal jemand das Geld zum Fenster rauswirft, und zwar im exakten Sinn dieser Worte: Auf dem Mainzer Lerchenberg hat ein Mensch Geld zum Fenster rausgeworfen. Aus luftiger Höhe. „Als Vorbote des angekündigten Unwetters meldeten Anwohner gegen 17:30 im Umfeld eines Hochhauskomplexes einen größeren Geldregen“, berichtet die Pressestelle der Polizei. Sogar die BILD greift das Thema auf.

„Als Vorbote des angekündigten Unwetters meldeten Anwohner gegen 17:30 im Umfeld eines Hochhauskomplexes einen größeren Geldregen.“

Aber ist das so sensationell? Wir haben Inflation. Was ist die Kohle denn noch wert? Weg damit! Raus aus dem Fenster! (Aber bitte keine Münzen.) Alternative Wirtschaftsmodelle sind jetzt gefragt. Auch solche, die eventuell moralische Fragen aufwerfen. Doch erstmal gilt: keine Tabus. Und ja, in dieser volkswirtschaftlichen Ausnahmesituation dürfen wir gerne auch den Blick nach Rüsselsheim wenden und dort Inspiration suchen. Selbst das ist erlaubt. Denn wir sehen dort erste Spuren einer neuen Art des Warenverkehrs: die Takeconomy.

Lektion 1: motorisiert mobil ohne den Einsatz von Geld. Ein junger Takeconomist vereinbarte in Rüsselsheim einen Besichtigungstermin für einen Motorroller, der auf einer Onlineplattform zum Verkauf angeboten wurde. Er bat um eine Probefahrt und – kam einfach nicht mehr zurück. Transaktion ohne Geldfluss beendet.

„Es seien dort Pestizide gegen Spargelfliegen ausgebracht worden, weshalb der Spargel nicht mehr genießbar sei.“

Lektion 2: Nehmen, was die Natur gibt. Lecker Spargel muss man nicht für eine Schubkarre voller wertloser Scheine bei Rewe kaufen. Den kann man sich auch einfach selbst vom Feld holen, aber Achtung: Es bietet sich an, im Vorfeld mit dem Spargelbauern in den Dialog zu treten. Ein Takeconomist hat dies versäumt und sich einfach auf dem Spargelfeld bedient. Der Bauer wendete sich daraufhin besorgt an die Cops: „Es seien dort Pestizide gegen Spargelfliegen ausgebracht worden, weshalb der Spargel nicht mehr genießbar sei.“

Lektion 3: Viehzucht ohne Gehöft. Ist, zugegebenermaßen, nicht so leicht umzusetzen. Eine Pionierin aus Mörfelden-Walldorf versuchte sich couragiert an einer Nutztierzucht in einem Mehrfamilienhaus. Allerdings erwies sich das Fortpflanzungsverhalten der Hasen als zu explosiv, so dass das Experiment aus dem Ruder lief: „Wie sich im Nachhinein herausstellte, lebten in einer Dreizimmerwohnung über neunzig freilaufende Hasen aller Altersklassen.“ Fazit: zu hoher Lagerbestand, ausbaufähiger Verkauf. Der Ansatz ist gut.

Lektion 4: der kleine Shopping-Hotspot in der Nachbarschaft. So umgesetzt von einem Mainzer, der sein Wohnungsfenster zum Kiosk umfunktionierte und Marihuana unters Volk brachte. Allerdings bemerkte die Polizei ein „reges Personenaufkommen“ vor der Erdgeschosswohnung und beendete das innovative Shopkonzept. Es wäre aber sowieso nur zukunftsweisend gewesen, wenn der Betreiber statt Geld Dinge entgegengenommen hätte, die auch etwas wert sind, zum Beispiel Spargel, Hasen oder Motorroller.

„Wie sich im Nachhinein herausstellte, lebten in einer Dreizimmerwohnung über neunzig freilaufende Hasen aller Altersklassen.“

Zu viele Leute vorm Fenster sind, um bei diesem Thema zu bleiben, nur eine Variante, um auf sich als Rauschgifthändler aufmerksam zu machen. Eine andere ist ein eskalierender Beziehungsstreit. Einen solchen meldeten Anwohner in der Mainzer Frauenlobstraße den Cops, so dass diese die Örtlichkeit aufsuchten und nicht nur das zankende Pärchen antrafen, sondern auch noch Grasgeruch feststellten. Und wenn die Ordnungshüter*innen mal am Schnüffeln sind, hält sie nichts mehr auf. Ergebnis der Schnüffelei: 2 Kilo Haschisch, 800 Gramm Marihuana, 20 Gramm Koks, Waffen, Bargeld.

Was sicherlich unauffälliger ist als ein zünftiger Beziehungskrach, aber dennoch riskant, ist das Versenden von Drogen mit der Post. Diese Erfahrung machte ein Händler aus Waldalgesheim. Auch bei ihm wurde die Polizei vorstellig und konfiszierte Haschisch und Marihuana im Kilobereich, zudem Bargeld. Wobei letzteres ja wertlos ist und hier nur noch als Füllwort gebraucht wird. Bargeld, Bargeld, Blixa Bargeld, nix da Bargeld. Kein Mensch braucht es mehr, es fliegt aus Deutschlands Fenstern. Heute auf dem Lerchenberg, morgen überall. (inh)

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